Mit dem Ex-Partner abschließen, wenn ein Kind da ist

green chameleon 21532

Wie bloß?

Ein komplexes Thema für Eltern. 

Mit dem Ex-Partner abzuschließen, wenn keine Kinder vorhanden sind, ist nicht so schwierig. Man geht sich (einfach) aus dem Weg und lenkt sich ab . Es sind viele Rituale vorhanden die eine Loslösung aus der Partnerschaft unterstützen. Wenn jedoch eine Trennung von der Paarebene zur Elternebene notwendig ist, sind viele ratlos und die Rituale von früher lassen sich nicht 1:1 übersetzen. 

Dabei sind auch jetzt Rituale eine große Hilfe. Denn nur wenn die emotionalen Verletzungen von der Frau und dem Mann ausreichend gewürdigt worden sind, ist eine Begegnung auf Elternebene möglich. 

Fallbespiel aus meiner Beratung

Vor kurzem war Luisa in meiner Beratung. Sie ist alleinerziehend und war dauerhaft sehr erschöpft. In unserem ersten Gespräch identifizierten wir als emotionale Belastung den Stress mit dem Ex als einen entscheidenden Faktor. 

Wir einigten uns darauf die Gefühle zu notieren und zu reflektieren. Als Hilfe nutzen wir einen allgemeinen Fragenkatalog der in vielen Beratungsstellen und Therapien zum Einsatz kommt. 

Luisa ist damit einverstanden, dir ihre Antworten öffentlich zu zeigen und am Ende des Artikels ein Fazit zu ziehen. 

Natürlich möchte ich Dich auch motivieren, diese Fragen schriftlich zu beantworten. Einfach kostenlos diese 26 Fragen als PDF herunterladen und in deinem Tempo mit deinem Ex-Partner besser abschließen. 

26 Fragen herunterladen

Luisas Antworten 

1. Welche Stärken habe ich mit in unsere Beziehung gebracht?

Nach außen wirke ich selbstbewusst. Ich habe immer mein Ding gemacht und das war es, was auch sicherlich anziehend war. Du hast dich gern von mir bekochen lassen. Ich habe auch sehr gern für dich gekocht. Dabei wollte ich dir zeigen, dass ich die Richtige bin. Die Richtige um eine Familie zu gründen. 

2. Welche Schwächen habe ich mit in unsere Beziehung gebracht?

Meine Schwäche war es in manchen Lebensbereichen unsortiert zu sein. Trotz meiner Stärke nach außen, habe ich immer mehr Verantwortung abgegeben. Ich wollte umsorgt werden und eifersüchtig war ich manchmal auch. Daran konntest du meine eigene Unsicherheit erkennen

3. Welche Stärken und Schwächen hast du mit in unsere Beziehung gebracht?

Ich habe deine Ruhe und Struktur im Alltag bewundert. Das ganze Gegenteil von mir. Du warst oft so vernünftig und hattest verdammt auch noch mal recht. Heute denke ich so manches Mal: Recht hatte er....Mist! Oft ich hatte wie ein kleines trotzige Kind den Drang das Gegenteil zu tun. Deine Schwäche ist auch deine Stärke. Du bist zu rational und strukturiert.

4. Was ich dir geben konnte, war...

meine Lebendigkeit, Kreativität, Offenheit und stürmische Liebe.

5. Was ich dir nicht geben konnte...

Ruhe, Struktur, Übernahme an Verantwortung und Sicherheit. 

6. Welche Seite in mir habe ich durch unser Zusammensein das erste Mal erleben dürfen? 

Du hast mir gezeigt, was es bedeutet echte Freunde zu haben. Dadurch wurde auch ich mutiger und konnte auf Menschen zugehen. 

7. Was ich von dir bekommen habe...

Na ja, wir haben ein Kind bekommen. Es war ein Wunschkind.

8. Was ich von dir nicht bekommen habe und mir aber gewünscht hätte....

mit dir zusammen eine Familie zu sein. Ich hätte mir gewünscht, dass du dich nicht zurückziehst und immer mehr dein Ding machst. Wir waren auch noch da. Und dann war plötzlich die andere Frau da. Ich hätte mir von dir einen sanften und freundlichen “Ende" gewünscht. Einfach Sachen packen und ausziehen. Das war ein großer Schock für mich. 

9. Wobei haben wir uns gegenseitig geholfen? 

Das klingt jetzt zynisch. Doch wir haben uns gegenseitig in eine große Krise katapultiert. Darauf hätte ich sehr gut verzichten können. 

10. Was habe ich in der Beziehung mit dir am meisten vernachlässigt? Welche Seite in mir ist verwelkt?

Ich habe nicht mehr für mich eingestanden. Ich wollte uns drei am Leben erhalten und habe es geduldet, wenn du wieder mal zu spät nach Hause gekommen bist. Nach und nach wurde ich zu einem kleinen, angepassten Mäuschen. Das bin ich aber gar nicht. 

11. Womit hast du mich am meisten verletzt?

Deinen Rückzug, die Aufgabe unserer Familie und deinem Egoismus. Plötzlich hat unser Kind keinen Vater mehr gehabt. Ab und an bist du für eine Stunde da gewesen. Doch mir wurden von unseren Freunden Bilder zugespielt. Du auf dem Golfplatz. Du bei einer Party. Du mit dieser Frau. Als ich dann von dir hörte, dass ihr "3" in den Urlaub nach Frankreich fahren wolltet, ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt. Das war der Tiefpunkt. 

12. Womit habe ich dich am meisten verletzt...

Ach, ich war schrecklich. Hass ist gar kein Ausdruck. Ich habe dich mit den übelsten SMS bombardiert, war beim Anwalt, in der Hoffnung diesen Urlaub zu verhindern, habe diese Frau vor unserem Kind nieder gemacht. :( 

Ich habe dich angeschrien, dich am Arm gezogen, dich geschüttelt....in der Hoffnung wieder aufzuwachen. Und dazwischen unser Kind. Ich schäme mich so sehr und wünschte, ich könnte die Uhr zurückdrehen. Ich war für dich nur noch die Furie und habe dich durch mein Verhalten nur darin bestärkt noch mehr zu fliehen. Plötzlich wirklich alleinerziehend. Weißt du, wie hart der Alltag ist? Sicher nicht, denn du hast ja genug Zeit um dich zu erholen. 

13. Was haben wir unserer Beziehung verpasst?

Vielleicht erinnerst du dich noch. Ich war im achten Monat schwanger. Da habe ich dir schon einmal einen Brief geschrieben. Darin wünschte ich mir, dass wir trotz Kind ab und an Zeit zu Zweit haben. Du hast abgewunken und meintest, unsere Zeit würde in ein paar Jahren wieder kommen. Oh Mann. Wir hätten mehr miteinander reden müssen. 

14. Was war mein größter Fehler in unserer Beziehung?

Verantwortung  abzugeben und auf dich und deine Entscheidungen zu warten. Außerdem hatte ich immer ein Problem mit dem Vertrauen in dich und aber auch in mich. 

15. Was war dein größter Fehler in unserer Beziehung?

Dich auf die Vaterrolle einzulassen. Du liebst N. über alles. Das weiß ich irgendwie. Doch zeigen konntest du es damals nicht wirklich. Oft hatte ich das Gefühl, du kannst nur wenige Facetten an mir lieben. Du hast aufgehört mich anzuschauen und mit mir zu sprechen. Leider. 

16. Welches Verhalten nehme ich dir doch immer übel?

Deine anfängliche Unzuverlässigkeit gegenüber unserem Kind. Wir warten und wer kommt nicht, weil irgendetwas anderes wichtiger war? 

Du! 

Du hast keine Ahnung wie viele Tränen ich getröstet habe. Unser Kind kann nichts dafür und du verkrümelst dich. Irgendwann hatte ich so die Nase voll, dass ich immer weniger gefragt habe. Was für ein beschissener Kreislauf. Und dann soll man auch noch laut Ratgeber immer noch gut über den anderen Elternteil lesen. Die Tage hörte ich, man soll das Kind bis zum 8. Lebensjahr bewusst anlügen, um es nicht zu verunsichern. Die Wahrheit, wie Mama oder Papa wirklich ist, würden sie so oder so später raus finden. Zum Glück wurde es mit der Zeit ja viel besser. 

17. Womit habe ich mich versöhnt?

Ich gebe dir nicht mehr ausschließlich die Schuld am Scheitern unserer Familie. Rückblickend erkenne ich auch viele Fehler bei mir. Die Schuldfrage stelle ich mir nicht mehr. Sie hindert mich am weiterleben und macht außer einem schlechten Gewissen nichts Gutes. Dadurch werden wir keine besseren Eltern. Wir können es aber jetzt besser machen!

18. Wofür ich dich am meisten geliebt habe? 

Deine Weltoffenheit, deine Klarheit, dein Lächeln in deinen Augen, deine Intelligenz, deine breiten Schultern, wenn du mit unserem Kind herumgealbert hast. 

19. Ich habe mich von dir am meisten geliebt gefühlt, wenn...

ich getanzt habe. 

20. Wofür ich dir danken möchte...

Für unser Kind. Für unsere Liebe, die einmal da war und seine Berechtigung hatte. Für deine Klarheit. Auch wenn wir nie darüber sprechen, beeinflusst du doch indirekt ab und an meine Entscheidungen. Z.B. Kaufen oder Nicht-Kaufen.

21. Wovon ich mich durch das Ende unser Beziehung jetzt endgültig verabschiede...

Ich weiß jetzt, dass es nicht das Ende meines Lebens ist. Ich weiß, dass Familie sehr vielfältig sein kann und nicht nur Mutter-Vater-Kind unter einem Dach bedeutet. Die Medien stellen Trennungen oft als Horror dar. Das muss nicht immer so sein. Wir machen das als Eltern mittlerweile schon ganz gut. Darauf bin ich auch stolz!

22. Wovon verabschiede ich mir gern und lasse es zurück? 

Unseren Streit, das Schweigen, das Ignorieren, unsere Anwälte, die glaubten uns besser zu kennen. 

23. Wovon verabschiede ich mich nicht so leicht?

Wir drei zusammen mit dem Rucksack durch Südafrika. Als unser Kind geboren wurde, sagtest du: „Später gehen wir zusammen mit unserem Kind los.“ Ja, wir feiern jetzt schon wieder den Geburtstag zusammen...doch nach Afrika geht es nicht mehr. 

24.  Das Gute in unserer Zeit als Paar. Was behalte ich mir davon?

Die Weltoffenheit und den Mut, Menschen in mein Leben zu lassen. 

25. Was lebt in unserem Kind weiter? 

Unsere Liebe. Mehr Beweise gibt es nicht. 

26. Was würde ich dir als Andenken zum Abschied gerne schenken?

Ich wünsche mir nur einen Abschied aus unser Paarbeziehung. Puh...schreibe ich das gerade wirklich? Ja, aber so ist es. Als Mutter und Vater möchte ich mit dir in ein paar Jahren auf der Abschlussfeier unseres Kindes anstoßen. Falls unser Kind dann wirklich mal auf die Idee kommt zu heiraten, wünsche ich mir eine Runde mit dir zu tanzen. Nun habe ich doch Tränen in den Augen. Das Andenken sind alle TV-Staffeln "Lost". ;)

Luisa

Luisa war sich lange unsicher, ob sie ihrem Ex-Partner diesen Brief zukommen lässt oder nicht. In unserem letzten Gespräch berichtete sie mir schließlich, den Brief kopiert zu haben. Das Original habe sie in viele kleine Stücke gerissen und auf einer Brücke in den Fluß geworfen. 

„Es waren nicht nur Zettel die in dem Fluß davon schwammen. Am Ende hatte ich auch eine Packung Taschentücher verbraucht. Mir geht es deutlich besser. Lange habe ich mich vor diesem Schritt gedrückt. Doch nun kann ich besser durchatmen. Danke!"

Vielen Dank! Du hast bis hier gelesen. Das machen nicht viele und zeigt, dass es eine wichtiges Thema ist. Beantworte die 26 Fragen und lass mich gerne wissen, wie es dir damit ergangen ist. 

Alles Gute 

Alexandra Widmer

Bildquelle: Unplash

35 Kommentare

  • Liebe Alexandra,

    ich muss dir meinen Herzlichen Dank aussprechen für deine Arbeit und die vielen positiven Einblicke die du aufzeigst. Allein schon deine Stimme ist so positiv und lässt mich seit 2 Jahren immer wieder gerne hier reinschauen. Ich bin seit einem Jahr getrennt mit zwei Kindern und die Trauer darüber das Er gegangen ist wiegt noch schwer.( vielleicht kannst du mal nur über Verlassene etwas schreiben, auch aus einer Psychologischen Sicht und wie man damit umgehen kann einfach eine Beziehung abzubrechen ) Trotz Jahrelanger Paartherapie hat es einfach nicht geklappt das wir als Paar weiter leben können. Ich bin darüber sehr traurig und hänge noch in der Zwischenphase zwischen Aufbruch und Vergangenheit meiner Ursprungsfamilie. Dein Fragebogen zeigt die Schichten nacheinander auf durch die ich auch gehen muss und ich bin noch nicht sicher ob ich schon wirklich loslassen kann aber es gibt auch ein Leben nach der Trennung . Ich würde mir wünschen das vielleicht zum Thema Übergang in die Patchworkfamilie positive Beiträge dir über den Weg laufen.:) Du hattest schon oft erwähnt das es mit einem Neuen Partner nicht dasselbe.ist..Ich habe in einem Freundeskreis schon Patchworkfamilien die schon so wirken als wären sie eine Ursprungsfamilie...auch mit gemeinsamen Kindern. Denn ich glaube man kann schon wieder zurück an diesen Punkt kommen...zumindest lässt mich diese Frage nicht los....Selbst nach 4 Jahren Kampf um die Familie erlebe ich eine Gefühlsexplosion und deine Seite , wie auch dein Buch helfen den Weg Stück für Stück weiter zugehen. Ich danke Dir ! lg Maria
  • Liebe Maria,
    vielen Dank für deinen Kommentar und die guten Ideen. Ganz sicher gibt es sehr gute Patchworkfamlien. Ich bin fest davon überzeugt, das Liebe sehr viel Bewegen kann und es wieder eine neue Form der Familie gibt. Der Vergleich mit dem was mal war, kann manche jedoch unter Druck setzen und sie sind enttäuscht, wenn das Gefühl doch anders bleibt.
    Es ist alles neu, aber deswegen nicht schlechter. Der Abschied von der Ursprungsfamilie kann auch Jahre dauern. Familie kann sehr vielfältig sein und doch haben die meisten von uns erlebt, dass nur Mutter-Vater-Kind als Familie gilt. Das macht uns auch diesen Abschied so schwer. Lass dir Zeit und zwinge dich niemals "schnell" abschließen zu müssen. Sag JA dazu, dass es gerade so ist, wie es ist.
    Alles Gute und Liebe Alexandra Widmer
  • Ich finde den Artikel toll! Danke für diesen persönlichen Einblick. Und... schämen muss man sich für gar nichts, Gefühle sind Gefühle. Und das "man sollte" "man müsste" etc. kann man sich auch gleich ersparen. Es gibt keine Norm, sondern nur den eigenen persönlichen Weg.
  • Hallo M,
    so ist es! Viele Grüße und alles Gute Alexandra Widmer

  • Wow, was sind das für starke und überaus positiv zum Leben im Jetzt gegebene Antworten von Luisa.
    Meinen Respekt. Ich denke es macht uns allen unglaublich Mut mehr denn je zu reflektieren.
    Auch die voran geschriebenen Kommentare kann ich teilweise völlig nachvollziehen und ja, es ist nicht nur eine Frage der Zeit oder des Wie, sondern auch der jeweiligen Mentalität der Menschen die verlassen und der/die Verlassende sind.
    Ich habe meine 26 Antworten gewagt und dabei viel Enge in der Brust gespürt u Unmengen an Tränen vergossen. Auch ich bin mit dem Enttäuscht sein über die klassische Familienbildung und dem Scheitern der Selben noch lange nicht fertig.
    Ich spüre Angst, wie noch nie zuvor. Aber eher vor dem Verlust meiner beiden Kinder, so schnell groß werden müssen mit schwerem Gepäck.
    Obwohl wir zu dritt seit Jahren ein eingespieltes Team waren u ich immer klagte ich fühle mich wie Alleinerziehend mit Mann der ab und an da ist. Es ist dann doch etwas ganz anderes plötzlich den halben Schrank leer zu sehen. Zu Gunsten einer Anderen mit Accessoires die Mann wohl nach einiger Zeit auch als unnütz empfindet, da nicht essbar😜
    Ja der Traum der heilen Familie ist futsch und ja es ist verdammt hart und ja wir stehen nicht wie zuvor allein für uns in der Verantwortung sondern für das Beste was das Leben uns geben konnte. Ich bin der festen Überzeugung: es hat seinen Sinn (auch für das spätere Erwachsensein der uns Anvertrauten) und wir haben nun die Möglichkeit sowohl aus unserem als auch mitgestaltend für unsere Kinder jeden Augenblick auszukosten. Und sie zu verständigeren und auf Ihr Gefühl hörenden Menschen zu erziehen.
    In meiner Ehe war meist nur Hetze und funktionieren angesagt wenn der Herr des Hauses, oder seine Mutter anwesend war.... ich bin zu mir und meiner Kraft zurück gekommen. Weiß nun was ein Entzug ist ( die ersten Monate waren für mich die Hölle) ohne je irgendwelche Erfahrung mit Drogen gemacht zu haben. Ist dann die Gesündere Art für den Körper 😏
    Der Weg ist wahrscheinlich einer der schwersten den wir im Leben gehen und nur wir können dass. Aber wenn Euch eines Eurer Kinder kurz vor dem Einschlafen sagt: "Mama Danke , dass Du mich geboren hast. Ich finde es wunderschön zu leben"... dann weiß der Selbstbestimmt Erziehende das alles gut ist.
    Danke Alexandra für Deine super tolle Leistung für uns alle!
  • Liebe Carina,
    danke! Danke für deinen sehr berührenden Kommentar. Dein Kind bzw. Kinder können sehr stolz auf dich sein. Danke für deine Ehrlichkeit und das andere mit dir fühlen können. Nur das Beste Alexandra Widmer
  • Liebe Alexandra,

    leider habe ich bei der Trennung vor gut 8 Jahren nie so einen Fragebogen bekommen. Ich würde mir wünschen, dass ganz viele Beratungsstelle bei Dir Fortbildungen machen. Ich habe unheimlich lange gebraucht um die 1. und die 2. Trennung zu verarbeiten und ich habe mir da Hilfe in Beratungsstellen und beim Psychologen gesucht und das war gut so. Aber nichts hat auf so übersichtliche und ganzheitliche Art und Weise Licht ins Dunkel gebracht. Leider musste ich auch feststellen, dass viele Berater und Psychologen selbst Schwierigkeiten haben mit Wut umzugehen, wie sollen sie es dann den Klienten beibringen? Danke an Lusisa, die sich bereit erklärt hat, die Antworten zu veröffentlichen, ich kann ihre Wut zu 100 Prozent nachvollziehen und finde es super, dass sie einen Weg gefunden hat mit ihrem Expartner umzugehen.

    Herzliche Grüße, Claire
  • Liebe Claire,

    Fortbildungen wären super. :) Mal schauen was da kommt. Ich freue mich auf morgen. Liebe Grüße
    Alexandra Widmer
  • Das Lesen der vielen Kommentare und die vielen Fragen werden mir hoffentlich aus meiner momentanigen Situation ausbrechen zu können. Auf mich brechen momentan soviele Dinge ein, dass ich meinen roten Faden durch mein Leben echt verloren habe. wir sind mittlerweile fast 6 Jahre auseinander, haben aber nach vielen Gesprächen über Verletzungen, warum es auseinander ging, wieder ganz gut zueinander gefunden und ich konnte ihm alles sagen u wir wollten nach seinem Abitur auf dem 2.Bildungsweg, also jetzt einen Neustart machen. jetzt habt er mir vor 4 Wochen nach bestandenem abi gesagt, dass er eine neue Freundin hat und uns diese Woche auch auf Handy geblockt. unsere knapp 6-jährige Tochter versteht, die Welt nicht mehr. Und ich auch nicht. Ich bin ständig am weinen, seine Großeltern, sagen mir, ich soll die Gefühle in eine Freundschaft umwandeln, er meint ich solle mal richtig leiden, dann wird das schon wieder. Ich komm mir vor wie ne ausgenommene Gans. Ich habe ihm die letzten Jahre immer Erziehungstechnisch und betreuungstechnisch, den Rücken frei gehalten und habe mein Studium hinten angestellt, dass sehr gelitten hat. War im Frühjahr wegenBurn-out in Kur, dann komme ich nach Hause und 5 Wochen später diese Hiobsbotschaft. Ich weine gerade überall aus dem nichts heraus. Ich weiß nicht wie das weitergehen soll, meine Tochter tut mir so leid, weil sie es manchmal leider mitbekommt, wenn ich Auto anfange zu weinen. Jetzt hat er noch meinen Eltern eine Mail geschrieben, dass er sich Sorgen um mich und unser Kind macht, obwohl ich ihm gesagt habe, er soll das Unterlassen.
    Ich weiß gerade wirklich nicht mehr was tun. Am Liebsten würde ich mein Kind packen u vor der Einschulung noch einen Freiwilligendienst in Afrika machen, weiß leider nicht ob das alles noch in 4 WOchen zu realisieren ist.

    Lg u danke fürs Lesen
  • Liebe Katha,
    danke für deine offenen Worte. Ein Hauruck-Aktion würde ich in der emotionalen Phase nicht machen. Ich würde das Weinen ernst nehmen. Umwandeln in eine Freundschaft....klingt nicht realistisch aktuell. Ich finde es in der Situation wichtig, dass du mit einer professionellen Person über deine Trauer und Hilflosigkeit sprechen kannst. Bleibe nicht damit allein, sondern vertraue dich Menschen an. Hier zu schreiben ist ein erster guter Schritt. Gehe weiter. Alles Gute Alexandra Widmer
  • oh
  • Oh ich kenne das alles zu gut, wir sind jetzt knapp 6 Jahre getrennt und der Papa meiner Tochter hat seit 2 Monaten eine neue Freundin, samt Abiturabschluss auf dem zweiten Bildungsweg. Mir ist die Kinnlade runter, als ich das gehört habe und ich weiß seit 4 Wochen nicht wie das Leben meiner Tochter und mir weitergehen soll, vor 4 Monaten wollten wir es nach dem ABi nochmals probieren u dann hatte er auf einmal samt Zeugnis eine neue. Mein Studium läuft zur Zeit auch nur halb gut, mein Kind wird eingeschult in wenigen Wochen u überall wird gerade Abschied genommen, Kindergarten, Kindersport, Musikschule, usw.. Irgendwie habe ich das Gefühl 4 Jahre auf den Herrn gewartet zu haben, dass Kind großgezogen und dann bums, bekam ich die Quittung. Am liebsten würde ich gerade mein Kind packen und 4 Wochen freiwilligen Dienst in Afrika machen, endlich mal was, was ich immer wollte. Aber das liebe Geld als alleinerziehende Studentin. Liebe Frau Widmer, ich hoffe, dass ich mit den 26 Fragen, etwas Ruhe in meinen Kopf bekomme und nicht ständig an ihn denke, warum und wie ich das jetzt gut überleben soll.
    Allen anderen WÜnsche ich gutes Durchhaltevermögen.
  • Liebe Katha,
    bitte schaue die erste Antwort an. Beste Grüße Alexandra Widmer
  • Mir fällt es auch sehr schwer das zu lesen. Jedoch hauptsächlich, weil ich es selbst 1 Jahr nach der Trennung, die mit sehr vielen schwerwiegenden Verletzungen verbunden war, es noch nicht schaffe, die Hoffnung auf die gemeinsame Familie aufzugeben. Ich habe bereits alle Phasen durchgemacht: Trauer, Wut und dann wieder Trauer und letztendlich bin ich wieder bei der Liebe gelandet. Denn ich möchte weiterhin an die große Liebe glauben und an zweite Chancen. Das sagt mein Herz und das Herz kämpft. Mein Verstand sagt, dass ich diesen Gedanken aufgeben muss, um endlich wieder frei und glücklich sein zu können. Ein ewiger Kampf, der zuviel Energie kostet...
  • Liebe Yvonne,
    danke für deinen berührenden Kommentar. Ich kann deinen Wunsch nach einem Jahr noch immer sehr gut verstehen. Ich habe einen Tipp für dich: Sage JA dazu, das du es noch nicht aufgeben kannst. Ja, ich hoffe noch. Erlaube es dir und quäle dich nicht mit dem Gedanken: Ich muss aber schon weiter sein. Sage JA und du wirst dich entspannen. Ich kenne keine andere Lösung. Liebe Grüße Alexandra Widmer
  • Es ist bei mir jetzt acht Jahre her seit der Trennung kurz Nacht der Geburt unseres Sohnes. Wir haben zwar noch ein Jahr versucht wieder zueinander zu finden, aber die Verletzungen waren zu groß. Es hat mir den Boden uner den Füßen weggezogen und ich habe lange lange gebraucht um mich wieder aufzurappeln. Antworten habe ich bis heute nicht bekommen, aber wir schaffen es auf einer oberflächlichen Ebene mittlerweise gut zurecht zu kommen inkl. neuer Familie seinerseits. Das hat viel Kraft gekostet und tut es weiterhin manchmal, aber ich hoffe auch darauf, dass wir irgendwann darüber reden können was damals eigentlich passiert ist.
  • Liebe Kirsten,
    vielen Dank für deinen Kommentar und ein Einblick in dein Leben. So geht es vielen und manchmal dauert es ewig. Andere schaffen es nie. Ich habe Klienten erlebt, die die Briefe versendet haben und wirklich eine klärende Antwort bekamen. Manche hörten jedoch auch nichts......Ich drücke dir bzw. Euch die Daumen irgendwann wieder einen Zugang zueinander zu finden. Viele Grüße
    Alexandra Widmer
  • Frage 26 würde ich genau so beantworten.Und auch nur laufen nach zwei Jahren immer noch die Tränen bei solchen Fragen. Ich kämpfe bis heute damit, dass es keine Gespräche gab. Heute können wir auf rationaler Basis einigermaßen miteinander umgehen, aber die Verletzungen sind tief. Manches wird wohl bleiben, auch wenn man sich damit auseinander setzt. Leider scheint so ein Umgang miteinander, wir in Antwort 26 in weiter Ferne.
  • Liebe Tina,
    danke für deine ehrlichen Worte. Ja, doch nach der Trauer kannst du weitergehen. Und es ist nie zu spät dafür. Ich kenne Klienten, die haben erst Jahrzehnte später den Mut gefunden. Alles Gute für dich und deine Familie Alexandra Widmer
  • Mir fällt es sehr schwer emotional abzuschliessen. Ich habe auch geweint als ich die antworten gelesen habe. Besonders bei dem satz " unsere kinder sind der ( tägliche, immerwährende) beweis unserer liebe ( die mal war). Ich habe jetzt gerade diese angesprochene abifeier mit unserer tochter. Aber es wird vermutlich kein freudiges wir-gefühl als eltern geben, weil mein ex mal wieder frisch verliebt ist und er dann immer "auf einem ganz anderen dampfer" ist. Vergangenheit, unsere gemeinsame elternschaft, wertschätzung spielt dann keine rolle für ihn. Vermute ich. Ich werde für mich auch gern die 26 fragen beantworten und hoffe damit noch mehr und wirklich loslassen zu können und weiter zu kommen auf meinem weg inneren frieden und akzeptanz zu leben. Herzliche grüsse von gabi
  • Liebe Gabi,
    ich kann dich sehr gut verstehen. Es ist leider so wie es ist. Ich weiß, eine ätzende Antwort. Betrauern ist ein wichtiger Schritt und ich bin mir sicher, es wird nicht die letzte Feier gewesen sein. Durch das Aufschreiben wird sich etwas in der verändern. Sei mutig und mache des in deinem Tempo. herzliche Grüße Alexandra Widmer

  • Liebe Alexandra und Luisa, danke, dass Ihr diese Übung online gestellt habt! Ich habe gerade auch die Fragen beantwortet, und es hat mir geholfen, die Beziehung etwas klarer zu sehen. Ich hatte auch Tränen in den Augen und wünschte mir manchmal, dass ich einfach mein Leben wieder so wie vor der Beziehung leben könnte, ganz für mich und frei. Auch bei mir gab es leider keinen richtigen Abschied mit dem Partner, eine Art Bilanzierung oder Schlussstrich, wo beide Partner noch mal sagen, was sie am anderen schätzten und was schwierig war. Daher ist es nun wirklich meine Aufgabe, alleine Abschied zu nehmen. Liebe Grüße und alles Gute
  • Liebe Caro,
    vielen Dank für deine Worte und Offenheit. In erster Linie geht es erstmal darum, dass du dich erleichterst. Nicht selten kommt dann auch der oder die Andere auch in Bewegung. Manchmal aber auch nicht. Schön, dass du so mutig bist! Alles Gute für dich und deine Familie.
    Alexandra Widmer
  • Ein schönes Ritual, um abzuschließen. Was mir besonders gefällt ist, dass der Fokus auch auf die guten Erinnerungen und Geschenke gelenkt wird. Nur so kann wieder Frieden entstehen.
    Ich war ganz gerührt, als ich die Antworten gelesen habe.
  • Liebe Ilse,
    das stimmt. Es braucht beides. Das loswerden von Schmerz und die Erinnerung an Gemeinsamkeiten. Herzliche Grüße
    Alexandra Widmer
  • Liebe Sina, auch mir laufen die Tränen übers Gesicht und ich weiß gerade nicht wohin mit meinem Schmerz. Trotz dessen, dass ich derjenige war, der gegangen ist und als Vater jeden Tag ohne meine Kinder leben muss, ist es nicht minder schwer. Und ja wir gehen, aber das ist richtig schwer, Tag für Tag. Ich habe mir immer diese Familie gewünscht und sehr lange dafür gekämpft. Jetzt ist da ziemlich viel Leere. Ich sehe meine Kinder fast täglich und genieße jede Stunde, die ich mit Ihnen verbringen kann. Doch es ist nicht das selbe. Ich kann nicht mit Ihnen im Alltag aufstehen oder Abendessen machen oder sie ins Bett bringen. Ich fühle mich förmlich abgeschnitten, aber das geht primär von meiner Ex-Partnerin aus. Und ich kann Dir versichern, dass zerreißt Dich als Vater.
  • Lieber Andreas,

    schön, dass auch mal ein Vater antwortet. Vielen Dank für deine Worte. Als Therapeutin bin ich sowohl verletzten Müttern als auch Vätern begegnet. Schön wäre, wenn mehr ein miteinander wäre. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie schwer es oft ist. Rational wissen wir, was zu tun wäre. Emotional sind wir aber um Längen davon entfernt. Auch ich bin noch immer eine "Schülerin". Alles Gute für dich/Euch
    Alexandra Widmer
  • Lieber Andreas, ich habe damit auch nicht alle Männer gemeint. Und das tut mir sehr leid für dich das du gekämpft aber trotzdem verloren hast. Ich würde mir wünschen das mein Partner kämpft aber ihm ist unsere Tochter leider zu anstrengend bzw. hat er keine Zeit mehr für sich. Und diese Aussage macht mich im Moment sehr wütend zumal unsere Maus ein Wunschkind ist. Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute.
  • Liebe Sina,
    vielen Dank für deine Worte!
    Traurig, dass es so ist und ich wünsche dir/euch viel Kraft. Liebe Grüße Alexandra Widmer
  • Wunderbar! Auch ich habe Tränen in den Augen. Anders, als bei mir, die ich gegangen bin. Aber ähnlich in der Entwicklung und den Wünschen für die Zukunft. Danke!
  • Liebe Galaxis23,
    schön. Ja, leiden tun alle. Ob der Verlassende oder der Verlassene. In der Krise hat man jedoch selten den Blick dafür und versteht die Welt nicht mehr. Alles Gute für dich und deine Familie.
    Alexandra Widmer
  • Mir laufen die Tränen übers Gesicht. Es ist sehr erschreckend das es bei vielen Trennungen der gleiche Grund ist. Die Männer haben es einfach sie können einfach gehen. Wir müssen versuchen eine gute Mutter zu sein obwohl unser Herz gerade zerbricht. Eine der schwierigsten Rollen in unserem Leben.
  • Liebe Sina,
    danke für deinen Kommentar. Ja, so passiert es leider oft und der emotionale Schmerz hat viele Folgen, wenn wir uns dem nicht zuwenden. Eine gute Trennung ist möglich, doch für viele kommt es unerwartet. Wir bräuchten mehr Schutz und Puffer in der ersten Zeit, um große Krisen zu verhindern. Ich versuche erstmal aufzuklären und zu zeigen, wie man damit umgehen kann. Vielen anderen Eltern geht es ähnlich. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.
    LG Alexandra Widmer

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