Wer möchte auch noch ein Gewitter spüren? Melanies ehrliche Gedanken

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Draußen wird der Donner immer lauter.
Ein Gewitter zieht auf und die ersten Tropfen fallen auf die Blätter der Kastanienbäume. Jeder Donner durchbricht die Luft mit einem Hall, den ich fühlen und hören kann.

Die Tropfen werden zu einem Stakkato auf den Blättern und ich höre das Rauschen, was mich an einen Fluss erinnert oder an das Meer.

Jetzt sehe ich aus den Augenwinkeln den ersten Blitz blinken und den Zweiten. Warum steckt mir ein Kloß im Hals? Warum brennen meine Augen plötzlich voller Tränen?

Liegt es nur daran, dass ich solange nicht geschrieben habe? Nun hier sitzend, das erste Mal wieder meine Empfindungen in Worte fasse. Ich kann es nicht wirklich sagen, nur das ich momentan wie eine Verrückte darum kämpfe nicht unter zu gehen in den Wogen meines Lebens.

Durch das Fenster zieht plötzlich der starke Duft von Gras. So wie gemähtes Heu, nur irgendwie frischer. Das Wasser rauscht auf die Blätter der großen Bäume im Kirchgarten hinter unserem Haus.

Plötzlich Stille. Das Rauschen wird leiser, der Donner zieht weiter stetig im Hintergrund, doch er erscheint nun weiter weg.

Gerade mache ich Ordnung in meinem Papierkram und die Gedanken kreisen immer wieder um meine Pflichten, die ich erfüllen will, bis ich umfalle.

Doch verflixt, ich habe so viel Energie nötig um genug Energie zu sammeln mich aus der Lethargie zu stemmen. Und immer wieder das Schlechte Gewissen, dass ich nicht so viel gebe wie früher, das ich müde bin…abgenutzt. Komisch diese Wörter, aber es sind genau die Wörter, die mir im Kopf sind.

Kämpfen

Mutig

Stetig

Stark

ALLEIN

Alleinerziehend, Alleinkämpfend, Alleinlebend, alleinarbeitend, alleinschweigend, alleinessend, allein…

Verzweifelnd

Fast schon freue ich mich, dass der Donner noch einmal zunimmt und mich nicht gleich verlässt.

Donner ist Kraft, pure Kraft, die mir fehlt. Es tut gut, sie wenigstens draußen zu spüren.

Heute habe ich meine alte Kiste mit den Geschichten und den alten Briefen durchgesehen und ich habe meine erste Kurzgeschichte wieder gefunden. Aus dem Leben eines Lemmings.

Es lässt mich nicht mehr los.

Damals mit 16 war ich schon so stark und Jugendweise, die Dinge gut sehen zu können und in Worte fassen.  Ich wollte immer schreiben. Meinem Gefühl entlang bis zum Ziel.

Heute schreibe ich nicht mehr. Eigentlich…

Heute mache ich den Haushalt, mehr schlecht als recht, weil mir irgendwie immer Energie fehlt. Heute arbeite ich bis zum Umfallen in meiner Praxis um sie zu erhalten, bis mir sie jemand wegnimmt. Heute hefte ich meine Gläubigeraufstellung ab, um meinen Verantwortlichkeiten nachzukommen. Sie erdrücken mich, weil ich sie nicht mehr leisten kann.

Heute sehe ich meine Tochter und bin stark vor Liebe. Setze Schritt um Schritt, weil sie es wert ist.

Gut, dass es Gewitter gibt.

Von Melanie Römer

Bildquelle Unplash

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