Ach, das ist ja toll, dass er sich kümmert. Wirklich jetzt?

steven van loy 27355

Liebe Alexandra,

ich mag deine Seite sehr. Sie hat mir schon bei einigen Problemlösungen und Gedankenentwirrungen geholfen. Trotzdem schlage mich derzeit mit einem Gedanken herum und hoffe, dass ich ihn bei Dir "abladen" darf.

Mein Ex und ich haben uns vor ca. 3 Jahren getrennt. Mittlerweile läuft alles gut und vor allem friedlich.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass mein weiteres Umfeld meint, dass ich dafür immer dankbar sein muss. "Ach das ist ja toll, dass er sich kümmert und dass er Unterhalt zahlt. Dann geht es dir ja richtig gut!" ist so die Essenz der Bemerkungen, die ich hören durfte.

Klar geht es vielen Alleinerziehenden schlechter als mir. Aber dass es mir gut geht, verdanke ich bestimmt nicht meinem Ex sondern in erster Linie meiner Familie und Freunden, meinem Arbeitgeber und auch mir selbst. 

Warum sollte ich also meinem Ex dankbar sein, dass er seiner Pflicht nachkommt und sich um unsere Tochter kümmert?

Vielleicht bin ich doch noch verbittert oder zickig? Eigentlich fühle ich mich nicht so. Aber ich fühle auch keine Dankbarkeit ihm Gegenüber.

Irgendwie wird es als selbstverständlich erachtet, dass ich als Alleinerziehende alles manage und alles schaffe. 

Wenn ich sage, dass ich dabei von meiner Familie unterstützt werde oder dass ich in Teilzeit arbeite, werde ich manchmal schon arg schräg angesehen. 

Und manchmal scheinen sogar die ehemals Alleinerziehenden die schlimmsten Blickewerfer zu sein. 

Irgendwie macht mich das immer etwas traurig. Nun gut, ich kann die Menschen ohne Weitblick nicht ändern und will auch keine Energie mehr darauf verschwenden. Da muss ich wohl noch lernen, das auszublenden.

Zurück zum Punkt. Ich habe beschlossen, für die Pflichterfüllung meines Ex nicht dankbar zu sein.

Dir jedenfalls, bin ich aber sehr dankbar für die "Abladerampe". 😉

Liebe Grüße

Anika 

Bildquelle: Unplash 

7 Kommentare

  • Ich kann schon verstehen das man anderen nur dann etwas "gönnen kann" wenn es einem selbst gut geht. Sei es der regelmäßige Unterhalt oder die freien Tage ( egal ob Wochenende oder Wechselmodell). Wenn alles an einer Person hängt wünscht man denen die mehr Unterstützung haben möglicherweise die Pest an den Hals. Ich denke nicht das es böse gemeint ist. Es ist viel mehr die Ungereichtigkeit die daraus spricht. Da ich mich getrennt habe (und ich würde es jederzeit wieder tun) kann ich sagen ich meister alles allein. Die Kitakosten lassen einen schon mal zweifeln an der "Gerechtigkeit". Ich bin noch mindestens ein Jahr zu Hause. Glücklich bin ich nur bedingt damit. Allerdings freue ich mich auf die freien Vormittage. Die hat man sich nach fast drei Jahren verdient. Egal ob das jemandem passt oder nicht. Ich habe mittlerweile ein ziemlich dickes Fell das die "Meinung" anderer betrifft. In diesem Sinne allen einen schönen Sommer. Lasst euch von frustierten Personen nicht herunterziehen ;)
  • Liebe Nena,

    ich denke auch, dass es menschlich ist mal mehr oder weniger neidisch zu sein. Leider bringt uns das wenig, wenn wir die Bedingungen für die Alleinerziehenden verbessern wollen. Genieße deine Pause, viele Grüße und einen schönen Sommer
    Alexandra Widmer
  • Liebe Nena,
    ich weiß jetzt wirklich nicht, wie du darauf kommst, dass Neid im Spiel ist, wenn ich einer alleinerziehenden Mutter MIT Unterhalt und MIT freien Wochenenden zu bedenken gebe, dass sie einfach mehr Möglichkeiten hat, ihre Batterien wieder aufzuladen, als eine alleinerziehende Mutter, die finanziell allein verantwortlich und völlig ohne mehr oder weniger kooperativem Kindsvater die Kinder großzieht. Nicht mehr und nicht weniger. Weniger Neid, eher Aufforderung, ein bisschen zufriedener zu sein mit dem, was man hat, ja, auch im Hinblick darauf, dass es andere gibt, denen es nicht so gut geht.
    Viele Grüße
    Susanne
  • Ich denke, dass ein kooperativer, Unterhalt zahlender Ex bzw. Kindsvater zwar kein Grund ist, ihm speziell hierfür dankbar zu sein, weil es im Grunde selbstverständlich wäre, es leider meist nicht ist. Und hier komme ich zu dem, was ich Friederike zu bedenken geben möchte. Sehr viele alleinerziehende Mütter müssen sowohl finanziell, als auch im Alltag alles alleine meistern, ohne Omas, nur mit eigenem sozialen Netzwerk. Da ist die Situation einer alleinerziehenden Mutter mit 14-tägiger Kinderpause und regelmäßigem Unterhalt - nur im Vergleich - deutlich entspannter. Für viele Mütter kommt die diesjährige Gesetzesänderung mit dem Unterhaltsvorschuss ohne Begrenzung auf 72 Monate zu spät. Für eine berufliche Karriere war meist keine Zeit und keine Energie vorhanden. Sie befinden sich bereits in der Altersarmutsfalle und haben, samt ihren Kindern, auf dem Weg dorthin den einen oder anderen Burnout hinter sich gebracht.
  • Liebe Susanne,

    so ist es und es ist und bleibt maximal ungerecht. Danke für deinen Kommentar! Beste Grüße Alexandra Widmer
  • Hallo Anika,

    Ich kenne ähnliche Reaktionen. Der Vater meiner Tochter ist in den vergangenen 4 Jahren mehrfach komplett abgetaucht.

    Seit 2 Monaten ist er wieder einmal die Woche für einen Nachmittag mit ihr unterwegs. Selbst bei so einer geringen Beteiligung darf ich mir anhören, das ich froh drum sein solle.

    Darum, deine Vermutung, bei solchen Reaktionen aus dem Umfeld auf Durchzug schalten lernen, kann ich dir nur ans Herz legen.

    Das sich, jene die sich wirklich ums Kind kümmern und ihr Leben nach ihnen ausrichten so wenig Achtung und Unterstützung zuteil wird ist traurig. Veränderungen brauchen Zeit. Wir können sie anstoßen, profitieren werden wir jedoch davon nicht mehr.

    Liebe Grüße,
    Friederike
  • Liebe Friederike,

    danke für deinen Kommentar. Anstoßen ist wichtig, damit unsere Kinder eine andere Welt erleben dürfen. Ich gebe mich mit dem IST-Zustand nicht zufrieden. Alles Gute Alexandra Widmer

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