Mein Kind ist nach der Trennung traurig. 8 Lösungen für dich

Mein Kind ist nach der Trennung traurig. Was kann ich tun? Diese Frage habe auch ich mir  gestellt und war in Zeiten,  wo es mir nicht gut ging, die größte Herausforderung.

Da mir diese Frage in vielen Mails wiederholt gestellt wird, habe sie an die Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin und Autorin Gundula Göbel weitergeleitet, die für dich einen Gastartikel verfasst hat. Vielen Dank!

Die Trennung

Wir sind eine Familie. Wir sind Mutter, Vater und Kind(er). Wir teilen ein Zuhause, wir sind für einander ein Zuhause. Mama liebt Papa, Papa liebt Mama und Mama und Papa lieben ihr/e Kind/er bis zum Mond und zurück.“

Worte, die jeder gerne über seine Familie, sein Leben, sagen würde – die er vielleicht lange Zeit so sagen konnte.

Doch dann kam der Punkt, an dem Mama und Papa sich nicht mehr liebten, an dem sie nicht mehr ein Zuhause teilen wollten. Diese Situation verlangt den Eltern vieles ab, sie müssen sich umorientieren und ein neues Leben aufbauen.

Für Kinder aber ist zunächst nur das alte Leben, das mit Mama und Papa als Einheit, präsent. Und dieses Leben verschwindet mit jedem Schritt der Trennung ein bisschen mehr.

Ihr Kind weiß noch viel weniger als Sie, wie es nun weitergehen wird.

Die emotionale Stabilität, die Ihrem Kind die Familie, so wie sie bisher war, gab, ist weg – zumindest gefühlt, vielleicht sogar tatsächlich.

#1 Bieten Sie ihrem Kind viel Trost

Kinder brauchen in der Zeit der Trennung viel Trost.

Dieser soll sie stützen, stärken und ihnen trotzdem erlauben, traurig zu sein.

Das Wort „Trost“ hat die Bedeutung „innere Festigkeit“, und eben diese muss wieder geschaffen werden – der Tank muss wieder aufgefüllt werden. Diesen Prozess kann ein Kind nicht alleine bewältigen.

Die schlichteste Form von Trost, ist die, einfach da zu sein.

So schwer es auch sein mag, in Gedanken nicht abzudriften: Seien Sie nicht nur anwesend, seien Sie da für Ihr/e Kind/er.

#2 Verhindern Sie Schuldgefühle bei dem Kind

In der Beziehung zwischen den einzelnen Elternteilen und dem Kind/den Kindern hat sich nichts geändert – schon gar nicht die Liebe. Es ist okay, beide Elternteile gleich stark zu mögen, bei beiden sich geborgen zu fühlen und von beiden geliebt zu werden.

Das Kind darf niemals in die Situation kommen, sich wegen der Liebe, die es bekommt und gibt, schuldig zu fühlen.

Schuldgefühle sind etwas, das die Kinder in dieser Zeit in vielen Fällen eh schon plagt. „Haben Mama und Papa sich wegen mir nicht mehr lieb?“, fragen Sie sich.

#3 Entlasten Sie ihr Kind durch Worte und Taten

Oder es treten Zweifel auf, wie: „Wenn Mama nun böse auf Papa ist, ist sie dann auch auf mich böse? Oma und Opa sagen doch immer, ich sei wie Papa.“ Versichern Sie Ihrem Kind die Beständigkeit Ihres Mutter-Kind/Vater-Kind-Verhältnisses. Tun Sie dies nicht nur durch Worte, sondern schaffen Sie Momente, die schon immer prägend für Sie beide waren, beispielsweise durch das Hören von vertrauter Musik.

Die Balance zu finden, zwischen aufrichtigen, ernsten Gesprächen, die dem Kind seine aufkommenden Fragen beantworten und dem Punkt, an dem es die Ehrlichkeit nicht mehr verkraften kann, ist schwer. Trotzdem ist es wichtig, die Anliegen der Kinder als wichtig anzusehen. Es gibt Dinge, die kann ein Kind noch nicht verstehen – die soll und muss es auch gar nicht verstehen.

#4 Bieten Sie Sicherheit durch Rituale

Dennoch sollte ein Weg gesucht werden, dem Kind Unklarheiten und Unsicherheiten zu nehmen.

Oftmals sind kleine, neue Rituale gut, um dem Kind Geborgenheit zu vermitteln und ihm die Angst vor den fremden Umständen zu nehmen. Ein Tee am Abend, der gemeinsam getrunken wird, während Sie das Kind im Arm halten, kann den Rahmen für einen vertrauensvollen Austausch schaffen. Sie signalisieren Ihrem Kind, dass es weiterhin Schutz und Liebe von Ihnen erfährt. Auch, wenn es über den anderen Elternteil spricht.

#5 Bleiben Sie bei starken Gefühlen des Kindes präsent

Seien Sie authentisch und stehen Sie zu aufbrechenden Gefühlen und bleiben im emotionalen Kontakt mit Ihrem Kind. Ziehen Sie sich während des Gespräches zurück, kann das bei Ihrem Kind dazu führen, dass es denkt, es habe etwas falsch gemacht. Und wenn es in der Trennungsphase von Eltern jemanden gibt, der überhaupt nichts Falsches machen kann, dann die Kinder.

Bedenken Sie, dass Kinder die Welt anders wahrnehmen. Pusteblumen sind für sie eine Attraktion und der Kindergarten- oder Schulbesuch der erste Ort, an dem sie sich eine Individualität aufbauen. Die Kindheit ist geprägt von Eindrücken, die man zum allerersten Mal erfährt.

Einige Gefühle, die ein Kind während der Trennung seiner Eltern hat, verspürt es vielleicht zum ersten Mal im Leben. Ob es Wut, (Verlust-)Angst oder eine überwältigende Traurigkeit ist, im Zweifel braucht Ihr Kind immer eine Vertrauensperson, die in diesen Momenten da ist.

Trost zu spenden, wenn man diesen selbst benötigt, ist keine leichte Aufgabe.

Zudem entwickelt jeder im Laufe seines Lebens eine Trost-Strategie, die ihm selbst am besten hilft. Nur muss dies nicht die Lösung sein, die Ihr Kind am besten unterstützt. Die Trost-Tankstelle von mir bietet Ihnen einen Leitfaden, sich mit Ihrem Kind/Ihren Kindern über das Trösten zu verbinden.

Diese Verbindung ist oftmals durch liebevoll geprägte, mit Gerüchen versehene und dem Kind vertraute Übergangsobjekte über eine Entfernung hinweg möglich. Ihr Kind/Ihren Kindern kann so ein Abschied und das Widerkommen erleichtert werden. Die unterschiedlichen Säulen der Trosttankstelle geben Anregungen und unterstützen Sie, eine eigene Trostkultur zu entwickeln.

#6 Haben Sie viel Geduld 

Erwarten Sie nicht, dass die neuen (Familien-)Verhältnisse von Ihrem Kind/Ihren Kinder verarbeitet wurden, nur weil einige Zeit vergangen ist oder es fröhlich im Garten spielt.

Es kann bestimmte Tage geben, an denen der Schmerz oder die Wut aufbricht, an denen Sie nicht damit rechneten. Besonders, wenn Sie den Ärger des Kindes persönlich abbekommen, gehen Sie keinen Streit ein oder bestehen Sie auf Verständnis.

Handeln Sie geduldig und verlässlich.

Ansonsten kann es sein, dass sich Ihr Kind/Ihre Kinder verschließen und Ihnen ihre Gefühle nicht mehr mitteilen. Erst wenn ein Kind sich der Beständigkeit Ihres Verhaltens sicher sein kann, wird es die Zuversicht erlangen, dass Sie immer noch seine Familie sind – auch wenn beispielsweise durch eine neue Partnerschaft neue Familienmitglieder den Kreis erweitern.

#7 Teilen Sie die Verantwortung des Tröstens

Vielleicht findet das Kind in anderen Vertrauenspersonen einen Gesprächspartner. Dies kann ein/e Lehrer/in, jemand aus dem Freundeskreis oder der Verwandtschaft sein. Schreiben Sie Ihrem Kind/Ihren Kindern nicht vor, wo es sich Hilfe sucht und unterstützen Sie Kontakte, die Ihr Kind/Ihre Kinder am unbeschwerten Leben teilhaben lassen.

Fürchten Sie sich nicht, die Verantwortung des Tröstens zu teilen oder Ihr Kind damit zu verlieren.

Eine verlässliche Bindung ermöglicht eine emotionale Verbundenheit über Zeit und Raum.

#8 Eine stabile Bindung braucht einen verlässlichen Lebensort

Zu beiden Eltern eine gute Bindung und Beziehung zu haben, ist nicht zu verwechseln mit dem Wechselmodell.

Denn Babys, kleine Kinder und Jugendliche brauchen für eine stabile Bindung einen verlässlichen Lebensort.

Die Verlässlichkeit gibt Trost und Halt.

Eine Aussage des Kindes, wie sie auch gemeint ist, wird manchmal von den Elternteilen für die eigene Bestärkung und Meinung genutzt. Das belastest Kinder und schwächt die Bindung und verhindert Trost. Kinder halten sich dann mit ihren Aussagen zurück, meist aus Angst vor Elternstreit. Sie bleiben mit ihrem emotionalen Streit alleine.

Zur Autorin: Als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Familientherapeutin und EMDR-Traumatherapeutin bin ich in eigener Praxis in der Nähe von Hamburg tätig.

Mehr zum Thema „Trost“ findest du in dem Buch von Gundula Göbel:

Trost: Wie Kinder lernen, Traurigkeit zu überwinden (Beltz Nikolo)

Möchtest du Frau Gundula Göbel etwas mitteilen? Dann kannst du das in den Kommentaren. Danke dir.

Viele Grüße

Alexandra Widmer

P. S. Nur wenn es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut. 

13 Kommentare

  • 8 jähriges Mädchen trauert über die Trennung v0n den „Großeltern“
    Vor 8 Jahren wurde meine Enkeltochter Lena geboren. Von Anfang bis heute war Angela die Oma für sie, zu ihren eigenen Omas hatte sie wenig Kontakt. Lena liebt und schätzt sehr Angela. Angela hat Lena auch ganz lieb gehabt. Lena schlief ab und zu bei uns, also die beiden hatten eine ganz tolle innige Beziehung.
    Nach 16 Jahren trennt sich meine Partnerin Angela von mir. Sie will es so. Ich bleibe wohnend in der Nähe von Lena. Angela zieht weiter weg, in der Nähe ihrer Familie. Das bisherige Besuchen von Lena bei Oma fällt total aus.
    Heute fährt sie weg. Ich werde schon damit fertig, ich habe mir bereits fachliche Unterstützung besorgt.
    Gestern Abend rief Lena an und wollte Angela sprechen. Ich hatte den Anruf entgegengenommen und hörte wie Lena schluchzend und kaum zu verstehen sagte, sie wolle Oma sprechen.
    So telefonierten sie miteinander, ich konnte nur hören was Angela sagte, ich nahm aber auch wahr wie sehr Lena weinte.
    Wie kann ich Lena ihren Trennungsschmerz erleichtern, wo ich selbst fix und fertig bin?
    Ich gestehe zu, dass ich beim Schreiben dieser Zeilen über das Leiden meiner kleinen Enkeltochter weine.
  • Hallo Herbert,
    bitte suche dir vor Ort Hilfe. Diese Frage ist nicht auf die schnelle im Internet zu beantworten. Das wäre unprofessionell. Alles Gute A. Widmer
  • Das größte Problem ist immer das eigene Ego. Wenn man verstehen sich in seinen Partner hineinzuversetzen, dann wird man viel eher eine Lösung finden. Vorallem dann wenn Kinder im Spiel ist sollte man versuchen an einem Strang u ziehen, so schwer es auch fallen mag.

    Ich bin glücklich darüber ein gute Beziehung zu meiner Ex-Partnerin zu haben und ein Weg gefunden zu haben der auch für unser Kind gut ist.
  • Hallo.

    Ich hab es mit einem anderen Fall von Traurigkeit zu tun. Meine Tochter ist 2 1/2 und mein Partner/Uhr geliebter Papi ist leistungssportler und ständig lange unterwegs. Von Februar bis Oktober im 2-4 wochenumfang mit 3-7 Tagen Anwesenheit dazwischen. Meine Tochter ist damit so traurig dass sie in der Nacht nach Papa wimmert, wieder einpullert und am Tage sehr traurig und teilweise so gereizt und aggressiv ist, dass ich sie kaum auffangen kann mit diesen Gefühlen. Mir fällt der Umfang damit selbst sehr schwer und wünschte dieser Sport würde endlich aufhören, aber wir müssen da ja nun durch.
    Wo kann ich mir denn damit Hilfe suchen?
    Achso dazu kommt noch dass sie arge Probleme mit der Haut hat und in solchen Zeiten kratzt sie sich den ganzen Körper blutig :'( ...Das hängt bei ihr alles mit der Psyche zusammen.

    Über irgendwelche Ideen wäre ich super dankbar.
  • Liebe S., ich würde mit ihr dringend zum Kindertherapeuten gehen. Es klingt so, als ob ihr noch Kontakt zum Vater habt. Schön, wenn er dafür auch zu gewinnen wäre mit zu den Fachleuten zu kommen.
    Alles Gute A. Widmer
  • "Zu beiden Eltern eine gute Bindung und Beziehung zu haben, ist nicht zu verwechseln mit dem Wechselmodell. " was ist denn das für ein unqualifizierter und unbegründeter Kommentar?
  • Ich werde diese Aussage gerne weiterreichen.

    Was genau stört Sie?

    A. Widmer
  • Ich habe meine Kinder viel getröstet. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass es so lange dauern würde. Bei uns ist die Traurigkeit über die Trennung nach 6!!! Jahren immer noch Thema und Grund für Tränen. Langsam weiß ich nicht mehr was ich dazu sagen soll. Ich würde mir wünschen dass sie nicht ihr Leben lang trauern zumal guter Kontakt zum Vater da ist. Hat jemand noch irgendeine Idee für mich?
  • Liebe BG, hier ist es genauso. Ich denke, dass eine gewisse Trauer bleiben wird. Das Bedürfnis getröstet zu werden ist sehr hoch.

    Ich Z.B. mach immer weiter. Trösten, Trösten und nochmal Trösten. Und sagen, dass es SEIN DARF! Die Traurigkeit.

    LG Alexandra Widmer
  • Hallo
    und vielen Dank für Dir guten Tips.
    Meine Kinder waren 22,5 und 24 Jahre alt, als ich mich, vor 20 Monaten, nach fast 25jähriger Ehe, von meinem Mann getrett habe.
    Mit der Tochter, die mittlerweile selber schon verheiratet ist, stehe ich in regelmäßigem Kontakt. So versuchen wir, uns einmal im Monat zum Austausch z.B. beim Frühstück zu treffen.
    Mein Sohn hat sich, obwohl ich ihn ein Jahr vor meinem tatsächlichen Auszug, gefragt hatte, ob er mit mir gehen würde, ganz von mir abgewandt.
    Mehr noch behauptet er und sein Vater, dass es niemals zuvor Differenzen in der Partnerschaft gegeben hätte und ich dieses Gespräch jemals geführt hätte.

    Da mein Mann behauptet, dass mir nach den 25 Ehejahren 0,00 €uro vom Zugewinn zustehen würde, wird diese "Sache" mitlerweile nur noch von Rechtanwälten verhandelt.

    Manchmal lässt der Sohn Kontakt per WhatsApp zu. Doch immer, wenn ein neuer Brief vom RA kommt, sperrt er sämtliche Knotenpunkte ab und ingoriert all meine Kontaktversuche, da sein Papa ihn dann wieder in sein Boot holt und mit Hass auf mich und schlechten Reden über mich, überschüttet.

    Ich erbitte an dieser Stelle Ihren Rat und hoffe, dass dieser dazu beitragen kann, dass sich ein regelmäßiger Austausch mit meinem Sohn, nachhaltig festigen kann.

    Freundliche Grüße
    G. Schmid
  • Liebe Frau Schmid,

    per Mail und Kommentar lässt sich wenig dazu sagen. Meine Vermutung ist, dass viel Wut und Trauer jegliche Nähe verhindern.

    Machen Sie ihrem Kind mit Hilfe einer externen Mediation das Angebot ins Gespräch zu kommen.

    Allein scheint es nicht möglich zu sein. Ich wünsche Ihnen alles Gute. GGF. melden Sie sich bei mir per Mail. Beste Grüße A. Widmer

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