SUA#054 Warum mich dieses Ex-Paar beeindruckt – Unverzichtbare Voraussetzungen für das Wechselmodell

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Das BGH-Urteil zum Wechselmodell hat in den sozialen Medien ordentlich die Gemüter erhitzt. Auch auf meiner Facebook-Seite.

Janina´s Aussage: „Wir leben so und es klappt sehr gut.“. Diese Aussage machte mich neugierig. Ich wollte verstehen, was diese Eltern anders machen als viele andere Eltern.

Hat dieses Ex-Paar ein Gericht gebraucht, um sich für dieses Modell zu entscheiden? Nein!

Zahlt Stefan trotz des Wechselmodells etwas Unterhalt? Ja! 

Janina und Stefan erklärten sich sofort bereit mit mir einen Podcast aufzunehmen. Dieses Ex-Paar hat mich beeindruckt. Warum das so ist, hörst du in dieser Podcastfolge. Wir klären, was die unverzichtbaren Voraussetzungen für ein Wechselmodell sind und wo es garantiert nicht funktioniert.

Inhalt des Podcast: Das Wechselmodell mit Janina und Stefan

  1. INTRO: Wie groß war das Engagement von Stefan VOR der Trennung? Janina antwortet.
  2. Ich erkläre, wie es zu dieser Einladung kam.
  3. Janina stellt sich vor.
  4. Stefan stellt sich vor.
  5. Raus aus dem gemeinsamen Haus.
  6. Wie kam es zur Trennung und Scheidung.
  7. Kurzfristige Anwendung des Nestmodells.
  8. Wer hatte die Idee mit dem Wechselmodell?
  9. Wie geht das Kind mit dem Wechsel zwischen der einen und anderen Wohnung?
  10. Was sagt sie dem Kind, wenn es den anderen Elternteil vermisst? Ist das alles im Sinne des Kindeswohl?
  11. „Es wurde und wird keine dreckige Wäsche gewaschen!“
  12. Darf das Kind zwischendurch mit dem anderen Elternteil telefonieren?
  13. Unternehmungen zu Dritt?
  14. Wie nimmt Janina den Wechsel wahr? Hat sie damit Schwierigkeiten?
  15. Stefan beschreibt die Vorteile aus seiner Sicht.
  16. Die Jobs müssen sehr flexibel sein.
  17. Alexandra´s Gedanken
  18. Der Scheidungsrichter hatte eine besondere Frage.
  19. „In unseren Freundeskreis sind wir die Einzigen, bei denen dieses Modell klappt. Und es gibt etliche getrennte Eltern.“
  20. Stefan beschreibt dem Umgang miteinander.
  21. Alexandra´s Erfahrungen mit einem erzwungenen Wechselmodell aus der Beratung.
  22. Wie gehen sie damit um, wenn eine neue Frau bzw. ein neuer Mann ins Leben kommt?
  23. Oft bekommen die neuen Partner die gute Elternebene in den „falschen Hals“.
  24. Stefan´s Gedanken über einen neuen Mann in Janina´s Leben.
  25. Packen sie einen Koffer mit Klamotten für ihre Tochter?
  26. Stefan zahlt Unterhalt an Janina!
  27. Haben sie für die finanziellen Vereinbarungen Behörden benötigt?
  28. Was sind die wichtigen Vorraussetzungen für ein Wechselmodell?
  29. Welche Fähigkeiten brauchen die Eltern um das Wechselmodell zu leben.
  30.  Nachteile des Wechselmodells: 1. Das Kind lebt in zwei Welten  2. unterschiedliche Erziehungsstile
  31. Wie ist die Regelung, wenn das Kind krank ist?
  32. Ist ein Wechselmodell bei massiven Konflikten oder Gewalt in der Vorgeschichte möglich? Nein!
  33. Wie oft kommuniziert das Ex-Paar?
  34. Was ist die wichtigste Voraussetzung für das Wechselmodell?

Viel Spaß beim Zuhören!

Möchtest du Janina und Stefan etwas mitteilen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Alles Liebe Alexandra

P.S. Nur wenn es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut!

Podcast:  (direkt hier hören oder bei iTunes (iOs) oder Stitcher (Android) kostenlos auf dein Smartphone abonnieren)

Bild privat.

7 Kommentare

  • Hallo Alexandra,
    seit mehreren Jahren bin ich stiller Beobachter deiner Website. Ich habe viele interessante Tipps und Lebenseinstellungen mitnehmen können, sah mich aber nie in aktiver Front mitzudiskutieren.
    Da wir von Anfang an "DAS  Wechselmodell" gelebt haben (wir wussten jahrelang nicht, dass es ein Wort dazu gibt geschweige denn Rechtsurteile),  sah und sehe ich mich nicht als "alleinerziehend", sondern als "Doppelerzieher".

    Zu meiner Person: seit fast 7 Jahren lebe ich getrennt von dem Vater meiner Tochter (12), seit 4 Jahren sind wir geschieden.

    Von Anfang brauchten wir kein Gericht oder Jugendamt, was uns vorschreiben würde wie wir zu handeln haben.
    Wir sind aber auch in der vorteilhaften Lage, beide gleich gut zu verdienen u recht flexibel unsere Arbeitszeit einzuteilen u wohnen in der gleichen Stadt. Das ehemalige gemeinsame Konto ist seit der Trennung das "Kinderkonto", auf dem das Kindergeld automatisch überwiesen wird u jeder den gleichen Betrag monatlich einzahlt wie wir es aktuell vereinbart haben. Jeder hat Zugriff auf das Konto. Aufgrund des Wochenwechsel fallen Wohn- und Lebensmittel-Kosten weg. Kleidung /Möbel/Schule /Vereine etc. wird in Absprache davon beglichen.

    Es geht, wenn man will. Und auch mit einem schulpflichtigen Kind: mittlerweile 7. Klasse ohne Probleme.

    Wir haben aber unseren Weg allein finden müssen; es gab und gibt keine Vorbilder in unserem Umfeld dazu - auch in einer rel. kleinen Stadt/ Mittelzentrum am Rande des Ruhrgebiets, sind wir die einzigen seit Jahren.

    Wir, da rede ich bewusst für den Vater u meine Tochter mit, können das potcast nur bestätigen u ich kann alle nur ermutigen, daß Modell zu versuchen, wenn ein Mindestmaß an Respekt, Vertrauen u Kommunikationsbereitschaft zw. den Eltern vorhanden ist. Und wenn man selbst bereit ist, "klassische "Rollenmuster - ob Familie oder auch nach einer Trennung - zu hinterfragen u zu verlassen. Wir 3 machen auch desöfteren was zusammen u treten ggüber Dritten (z. B. Schule/ Lehrer/ andere Eltern) als abgestimmtes Team auf.

    UND GANZ WICHTIG: Lasst euch nicht von "negativen Prophezeiungen" Dritter beirren. Das hat uns viel -zu viel- Energie gekostet. Meisten haben eher Dritte ein Problem mit dem Wechselmodell; ggf. weil sie sich selbst in Frage gestellt sehen.

    Man kann und sollte weiterhin ein Team sein; selbstverständlich auch mit unterschiedlichen Ansichten.  Die kommen in klassischen Familien ebenso vor, werden aber auch dort häufig nicht kooperativ geklärt bzw. bestehen mit Schräglage, die den Kindern auch in bestehenden Ehen nicht gut tun (ich spreche aus eigener kindlicher Erfahrung....). Da finden wir so ein gelebtes Wechselmodell gesünder für das Kind u auch die Eltern.

    Ich finde es klasse, wenn wir uns gesamtgesellschaftlich auch in diesem Bereich weiterentwickeln. Nicht nur der einzelne Betroffene, sondern auch das Umfeld drumherum. Ob Gerichtsurteile helfen, wird die Zeit zeigen.

    Viele Grüße, Sonja
  • Liebe Sonja, danke für deinen Einblick in euer Leben. Ich bin immer wieder sehr beeindruckt von Paaren, die so miteinander umgehen und kommunizieren. Es wird keine Pauschallösung geben und es muss in jeder Familie individuell geschaut werden, was passt.

    In den Niederlanden z.B. bleiben einige Familie in einer Wohnung bzw. in einem Haus wohnen. Auch eine Variante, die für viele absurd klingt. Noch....wer weiß....

    Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute.

    Alexandra Widmer
  • Ringstraße. 72
  • Liebe Alexandra,

    ein toller Podcast, der zeigt: " Um ein Kind zu erziehen braucht man ein ganzes Dorf (afrikanisches Sprichwort)." In diesem Fall, Janina und Stefan (Mutter UND Vater) im Wechselmodell und Oma und Opa. Toll, dass dies gelingt.
    Ich hätte mir das auch sehr gut vorstellen können, obwohl sich der Vater von meinem großen Sohn von mir getrennt hat (oder gerade eben deshalb!). Jedoch hat er damals 2009 einfach entschieden, dass er unseren Sohn nur alle 14 Tage nimmt (leider ist es mittlerweile nur noch 3-4 Mal im Jahr, dass er ihn abholt). Warum ich das damals einfach so hingenommen habe, weiß ich nicht. Ich hätte mehr kämpfen müssen, für das was ich gewollt hätte, nämlich das Wechselmodell. Zudem haben mir hier auch zum damaligen Zeitpunkt (2009) die Vorbilder gefehlt (ich selbst bin ohne Vater aufgewachsen). Meine Erfahrung ist, dass wenn der andere Elternteil sehr weit weg zieht (bei uns 350 Kilometer), dass tatsächlich schwierig ist für das Kind bei einem 14-tägigen Papa-Wochenende. Mein großer Sohn war damals (er war 1,5 Jahre alt 2009) immer wirklich sehr schwierig, wenn er von seinem Papa wieder kam, was dann wiederrum für mich belastend war (aber NIE ein Grund, meinen Sohn seinem Vater nicht mitzugeben – kein einziges Mal!). Richtig bewusst geworden ist mir das aber erst, dass für ihn alle 28-Tage Papa-Wochenende besser ist, weil es wieder von außen kam. Nach ca. 3 Jahren hatte der Vater von meinem großen Sohn wieder eine Beziehung und holte meinen Sohn nur noch einmal im Monat. Dies war leichter, er war danach wirklich nicht mehr so schwierig, aber er war dann natürlich auch größer. Dies fiel damals sogar im Kindergarten auf, dass er nach dem Papa-Wochenende nicht mehr so durch den Wind war. Hatte jedoch den Nachteil, dass ich weniger entlastet war. Wie oben erwähnt holt der Vater von meinem großen Sohn ihn heute nur noch 3-4 Mal im Jahr (seit 2014), was mir für meinen Sohn sehr leid tut. Er ist natürlich mehr Kontakt mit seinem Vater gewohnt und vermisst ihn daher sehr. Es macht mich wütend, dass sich sein Vater immer mehr zurückzieht, seit er eben die neue Lebensgefährtin hat und mir ihr mittlerweile einen 4-jährigen Sohn - was total Okay ist für mich, jedoch nicht, wenn unser gemeinsamer Sohn dadurch weniger Kontakt hat zu seinem Vater. Aber es ist so und ich habe mich damit abgefunden.

    Ja, Kindererziehung ist Arbeit und die muss jemand tun. Janina und Steffan sind vorbildlich in dieser Beziehung (auch in finanzielle Hinsicht). Leider fehlt in unserer Gesellschaft das Bewusstsein dafür, dass Kinder zu erziehen vor allem unsere Pflicht ist - es müsste daher Sorgepflicht heißen und nicht Sorgerecht. Wenn von vornherein eine Sorgepflicht für beide Elternteile mit einer Trennung einhergehen würde, dass ist nämlich unter normalen Umständen zum Kindeswohl (sicher nicht bei Familien in denen es Gewalt gab), gäbe es sicher viel weniger armutsbedrohte, ausgepowerte alleinerziehende Mütter und Väter. Ich denke Mütter oder Väter, die die Erziehungsverantwortung bis zu 100 % ihrem getrennten Partner überlassen müssten dann eben Unterhalt bezahlen – genau, sie müssten bezahlen für den Teil an Erziehungsarbeit, den sie nicht leisten. Denn mit dem Kindesunterhalt ist es ja nicht getan! Aber dafür müsste man in der Gesellschaft erst einmal anerkennen, dass Kinder erziehen Arbeit ist – eine Arbeit, die von „irgendjemand“ getan werden muss, der dann nicht in der Armutsfalle laden darf.

    Danke Alexandra, für Deine Arbeit. Ich ziehe wirklich sehr viel Erkenntnis daraus und mache mich heute viel mehr sichtbar als alleinerziehende Mutter, als früher.

    Herzliche Grüße, Claire
  • Liebe Claire, viele Dank für deine ausführlichen Erklärungen. Ja, Kinder erziehen wird nicht genug gewürdigt. Sehr traurig. Ich finde es klasse, dass du dich sichtbarer machst. Wenn das alle tun, wird keine Ausgrenzung mehr möglich sein.

    Alles Gute
    Alexandra Widmer
  • Der Podcast war hochinteressant, vielen Dank dafür!

    Mein Exmann und ich haben uns auch von Anfang an für das Wechselmodell entschieden. Unsere Kinder sind viereinhalb und sieben und leben jetzt seit drei Jahren genau 50:50 bei ihm und bei mir. Jedoch wechseln wir nicht wöchentlich, sondern häufiger (Mo/Di Mama, Mi/Do Papa, Fr-So wöchentlich wechselnd), weil die Kinder zu Beginn so klein waren. Wir wechseln auch über Kindergarten/Schule und kommunizieren viel über Textnachrichten und Bilder. Alle paar Wochen setzen wir uns mal zusammen und besprechen wichtige Themen.

    Der Rhythmus ist sehr fest und wird nur sehr selten verändert, da beide Kinder das nicht möchten. Der Rhythmus ist ihnen sehr wichtig.

    Nachteile sehe ich persönlich keine. Ich nehme nur Vorteile wahr, da die Kinder beide Elternteile haben und niemanden verlieren. In meinem persönlichen Umgeld klappt das Modell genau so bei drei weiteren Familien, teilweise schon seit mehr als doppelt so vielen Jahren.

    Was ich dem Podcast-Pärchen hinzufügen möchte: Vorsussetzung für dieses Modell muss nicht die einvernehmliche Trennung sein (unsere war sehr hässlich auf vielen Ebenen), sondern dass beide dieses Modell wirklich WOLLEN! Die Kinder wichtiger zu nehmen als die Konflikte zwischen uns, war immer unsere Basis. Aller Ärger und Streit wird bei uns von der Elternebene getrennt. Als Eltern arbeiten wir zusammen, auch wenn wir in jeder anderen Hinsicht froh über die Trennung sind. Ich unterscheide bei der Wahrnehmung meines Exmannes seine Rolle als Partner von der als Vater meiner Kinder. Ich sage immer: "Als Partner war dieser Mann nichts für mich, was er für ein Vater ist, kann ich nicht beurteilen, er ist Ja nicht meiner" Ein Papa ist er für die Kinder und sie lieben ihn und seine Welt genauso wie sie mich lieben. Kinder unterscheiden da ja nicht.

    Ich bin sehr glücklich, dass die beiden in beiden Welten, bei ihm und bei mir, zu Hause sind. Und das auch mit neuen Partnern bei beiden. Die haben von Anfang an das Modell akzeptiert und wissen, dass die Kinder an erster Stelle stehen und dass es da eben auch ein zweites Elternteil gibt, dass eine Rolle spielt.

    Neben dem Wollen braucht es also noch viel Mut und Toleranz bei allen Beteiligten :)
  • Liebe Cora,

    vielen lieben Dank für deinen Einblick. Ja, das WOLLEN ist es auch. Wenn einer der Zwei hingegen es nicht schafft, auf diese Ebene zu kommen und diese Modell erzwungen wird, sehe ich sehr kritisch.

    Es wird immer Eltern geben, die das schaffen und dann wird es weiter die Eltern geben, die sich bekriegen. Wir können nur weiterhin von verschiedenen Seiten aufklären.

    Alles Gute für Euch

    Alexandra Widmer

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