Der wichtigste Grund, warum ich das Wort ALLEINerziehend nicht mag

stark und alleinerziehend Alexandra widmer

Wie jetzt? Was sagt sie da? Sie mag es nicht?

Die Wahrheit ist, ich wünschte mir, dieses Wort in diesem Projekt, Blog und Podcast NICHT nutzen zu müssen. Aber nach was googeln wir als Erstes, wenn wir in die Situation kommen?

Alleinerziehend oder Alleinerziehende

Gestern bekam ich eine Mail von Vivian Zuta. Sie sendete mir den Link zu einem Artikel in ihrem Blog (Kirschkerne Knacker), den sie über dieses falsche Wort geschrieben hat. Eine wichtige Analyse!

Warum?

Weil das Wort ALLEINerziehend unbewusst deutlich wirksam auf unser Fühlen, Denken und  Handeln einen Einfluss nimmt. Der Bloggerkollege Markus Cerenak sagte mir schon vor einem Jahr:

Alexandra, du weißt schon, was für eine unbewusste, hypnotische Suggestion du dir damit täglich verabreichst?

Und zwar dadurch, dass ich mich genau mit diesem Thema so intensiv befasse.

Wer so oft das Wort ALLEIN nutzt, fühlt sich früher oder später auch so. 

Recht hat er und ich/wir sollten es mit Bedacht nutzen. Denn wenn wir ein Wort oft genug hören, lesen und nutzen, dann sehen wir die Welt durch diese Brille und suchen unbewusst oder auch bewusst nach Belegen.

Und diese „ALLEINerziehend“-Brille ist in der Außenwirkung bislang alles andere als sexy. (Doch am neuen Image arbeiten wir schon längst.) 🙂

Ich kenne Frauen, die alleinerziehend sind und dem Beziehungsstatus überhaupt keine Bedeutung im Leben widmen.

Ach ja, ich lebe im übrigen mit meinem Kind zusammen. Ob alleinerziehend oder nicht, ist für mich nicht relevant.

Und ich kenne Frauen, die alleinerziehend sind und sich komplett damit identifizieren.

De facto bin ich alleinerziehend und das hatte viele Auswirkungen auf mein Leben.

Im Laufe der letzten zwei Jahre sind mir viele verschiedene Bedeutungen und Bewertungen des Wortes „ALLEINerziehend“ begegnet. Und das oft nichts mit der offiziellen Definition z.B. bei Wikipedia zu tun.

Meine Ambivalenz

Ich gebe zu. Ich bin hin und her gerissen.

Die letzten drei schlaflosen Nächte hatte meine kleine Tochter solche Bauchschmerzen, dass ich kurz davor war mit ihr in die Klinik zu fahren. Doch wohin mit meiner anderen Tochter, die am nächsten Morgen zur Schule musste?

Es war mitten in der Nacht und ich habe niemanden erreicht. Das fühlte sich verdammt allein an! Und war es auch. (Korrekterweise müsste ich hier schreiben: Ich fühlte mich in dem Moment verlassen und somit EINSAM. Doch dem Unbewussten ist das Wort EINSAM zu wenig geläufig. So dachte ich also: Ich bin allein in dieser schwierigen Situation.)

Da passte diese Brille wie die Faust aufs Auge.

In anderen Momenten spüre ich eine tiefe Verbundenheit mit vielen Menschen. Und dieses Wort ist egal. Ich liebe es allein zu sein und die Chance zu haben mich zu reflektieren und Kraft zu tanken.

Da passt die Brille so gar nicht.

Eine neue Liebe?

Wenn wir zu sehr mit dieser ALLEINerziehend-Brille nach neuen Partnern schauen, kann es möglich sein, dass genau diese Brille eine neue Partnerschaft verhindert. Wir suchen nach Belegen, die uns beweisen, doch wieder mit allem „allein“ zu sein.

„Also so richtig präsent ist er/sie nicht. Da könnte mehr Einsatz kommen. Es liegt daran, dass ich ALLEINerziehend bin.

Wollen wir wirklich in dieser selbsterfüllenden Prophezeiung stecken bleiben?

Freundschaften erhalten?

Wenn wir zu sehr mit der ALLEINerziehend-Brille unseren Freunden begegnen, kann es möglich sein, dass genau diese Brille dafür sorgt, diese Freundschaft zu verlieren. Wir suchen nach Belegen, die uns beweisen, doch wieder  „allein“ zu sein.

Also so richtig präsent ist er/sie nicht. Da könnte mehr Einsatz kommen. Es liegt daran, dass ich ALLEINerziehend bin.

Wollen wir das wirklich?

Fazit:

Das Wort ALLEINerziehend wird unbewusst wortwörtlich genommen und kann eine Verbundenheit zu anderen Menschen erschweren.

Bitte habe den Mut, diese Brille immer mal wieder abzusetzen und du wirst dich und deine Umwelt NEU entdecken. Versprochen!

Bei diesen Thema interessiert mich deine Meinung und ich freue mich über einen Kommentar von dir.

Welchen Einfluss nimmt dieses Wort in deinen Gedanken?

Ich freue mich, dass schon einen Tag nach der Veröffentlichung mehrere Bloggerinnen auf diesen Artikel geantwortet haben. Natürlich jede durch ihre Brille! Ich freue mich über eine rege Diskussion. 🙂

  1. Rona Uwe von den Phönix-Frauen: Allein erziehend – Eine Erwiderung
  2. Verena Schulemann von Mama Berlin: Ich sehe Dich. Siehst du dich auch?

Alles Gute für dich

Alexandra

P.S. Dir darf es gut gehen. Dann geht es auch deinem Kind gut.

P.P.S. Bitte sehe es mir nach dieses Wort so oft zu verwenden und dennoch darauf hinweisen, es behutsam zu nutzen.

Beitragsbild (C) Contrastwerkstatt-fotolia.com

33 Kommentare, sei der nächste!

  1. Sehr guter Artikel!
    Dies ist (u.a.) einer der Gründe, weshalb ich meinen Blog von mutterseelenalleinerziehend in mutterseelesonnig umbenannt habe. Denn dieses Alleinsein immer wieder zu lesen und zu benennen zieht mich immer weiter runter. Wir brauchen echt ein neues Wort!

  2. Liebe Alexandra,

    dieses Wort ist durch und durch falsch besetzt und oft auch interpretiert.
    Die Gesellschaft und oft auch „glückliche“ „Doppelterzieher“, gucken einen blöde an nach dieser Feststellung, leider…

    Auch wenn ich oft alleine bin mit allen Entscheidungen, so sollte es auch ein Wort sein ,dass diesen „Zustand“ wertschätzt und nicht abwertet.

    Zum Beispiel : Wonderwoman oder Supergirl 😉

    Lustig wäre doch auch wenn man gefragt würde : „Sind Sie auch Kindergöttin? “ 😉

    Ist ein viiiiel angenehmeres Wort. ..hihi

    liebe Grüße
    Elke

    1. Super woman, das trifft es altershalber ab und an besser.
      Ich vermeide das Wort, da man im Beruf als Risiko potentieller Fehlzeiten angesehen wird und habe mir auch schon erklären lassen, das einem die emotionale Basis fehle.
      Daher habe ich mich entschlossen stark und kreativ zu sein. Mein Kind fordert meine Kreativität um für einen guten Alltagsablauf zu sorgen, das hat doch nicht jeder.
      Organisationstalent und eigener Expertenrat, kann beruflich als auch im Alltag nicht jeder aufweisen.
      Alles Gute! Es kommt auch wieder besser! Ganz sicher…

  3. Ja, man könnte auch sagen „stark & einsam erziehend“. Ich möchte erwähnen, dass Dein Artikel sehr intim gleichzeitig ist und treffend. Denn, einen fehlenden Partner/in kannst Du nicht ersetzen und wir sollen erkennen, dies nicht zu müssen.

    vielleicht könnte ein Slogan in die Runde lauten: …Freude gebend/Hoffnung lebend schenkt unseren Kids was sie brauchen -:)
    lg hermann

  4. Hallo….ich glaube an „Verändere deine Worte und du veränderst deine Welt“ und an das Bearbeiten von stressigen Gedanken mit „The Work“ von Byron Katie…..willst du glücklich sein oder recht haben…..viele Grüße Susanne

  5. „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ (Afrikanisches Sprichwort)

    Ob alleinerziehend oder nicht, je eher man akzeptiert, dass man nicht nur allein verantwortlich für die Erziehung ist und auch andere Einflüsse zulässt, um so einfacher wird die Erziehung oder Begleitung der Kinder!
    LG, San

  6. Der Beitrag ist sehr interessant, denn ich mag das Wort alleinerziehend auch überhaupt nicht! Allerdings noch aus einem anderen Grund.
    Auch Frauen, die eine Unterstützung des Vaters haben, nennen sich so. Auch, wenn es Kontakt nur am Wochenende gibt, ist man doch dann gar nicht komplett ALLEIN erziehend.
    Ich fühle/ fühlte mich dagegen oft wirklich „allein“ in der Verantwortung der Erziehung. Der Vater meines Sohne hat den Kontakt abgebrochen, als ich schwanger war. Da fühlt man sich schon allein-schwanger, allein-verantwortlich und schließlich auch allein-erziehend. Mir hilft es, dass mein Sohn nun fast 3 ist und ich langsam das Gefühl habe, ein wenig „Erziehung“ erfolgt auch in der Kita, bei Oma und Opa und in der Spielgruppe. Diese Sichtweise entlastet mich sehr und ich fühle mich nicht mehr ganz so allein.
    Irgendwie hört sich das oft so bemitleidenswert an, wenn jemand das Wort alleinerziehend benutzt. Ich sage eigentlich immer: „Ich wohne mit meinem Sohn zusammen.“

  7. Ich denke wenn Chefs das Potential der Mütter erkennen, erkennt die Gesellschaft das sie belastbarer und flexibler sind weil sie es müssen und warum nicht etwas was nun mal so ist zzm positiven wenden ich kenne viele „Doppelterzieher “ (welch niedliches Wortspiel) die im Chaos versinken würden ohne die bessere Hälfte GENAU DANN denke ich “ hey kann mir nicht passieren ich kann sehr gut alles allein managen“ es wird immer wieder Tage geben in denen man sich einsam fühlt ja nun ich denke es ist wie mit der Laune doe ist ja auch nicht immer bei 100% 😉

    1. Liebe Nena,

      genau. Es gibt immer zwei Seiten. Ob bei den Doppelterzieher (tolle Kreation) oder den Alleinerziehenden. Ich wollte darauf aufmerksam machen, wie dieses Wort durchaus wirken kann. Ich mag es auch mal die Brille abzusetzen.

      Danke dir.

      Alexandra 🙂

  8. Es kommt wie bei allem auf die Bewertung an. Bewerte ich „allein“ als negativ oder positiv?! Klar, ich hab mir das alles auch anders vorgestellt und schaue manchmal neidisch auf scheinbar glückliche „Vater-Mutter-Kind“ Familien. Aber so ist es nun mal nicht. Also schau ich liebe drauf, was jetzt gut ist. Ich kann meine Entscheidungen selber treffen, ich haben keinen dessen schlechten Laune ich aushalten und ich kann nachts besser schlafen, weil keiner neben mir schnarcht . Und ich bin ja nicht allein erziehend…es gibt noch Omas und Nachbarn und Freunde und ihren Vater. Klar im Alltag ist es manchmal schwerer. Und dennoch… Ich genieße die Zeit mit meinem Kind…. Lasst es bei dem Begriff „Alleinerziehende“ und stellt euch vor, dass das nicht die Ausnahme ist, sondern der normalzustand.

    1. Liebe Susanne,
      danke für Deinen Kommentar. Es hängt absolut von der Bewertung ab und ich hoffe, dass wir selbst es immer mehr in die andere Richtung verändern können. Dahin zu schauen, was habe ich alles. Was ist das Gute daran. Aber es gibt auch Momente, die werden schlicht und weg ätzend bleiben…..finde ich zumindest.
      Liebe Grüße Alexandra

  9. Hi Alle,

    ich finde das Wort auch irreführend und es erschafft uns sicher nicht die Realität, die wir uns wünschen. Ich führe das nicht weiter aus, ist ja weiter oben schon passiert und die Resonanzgesetze kennen wir ja auch alle. Das Wort ist so ähnlich wie bei Harry Potter „Ihr-wisst-schon-wer“ 😉

    Vor allem erziehen ja auch viele viele andere, oft ungefragt und ungewollt, mit: Lehrer, Nachbarn, Freunde, Bekannte, Verwandte …
    also das ist von allein-erziehend keine Rede.
    Das Wort hat so was total Negatives, Strenges, Oberlehrerhaftes.

    Also ich persönlich versuche dieses Un-Wort überhaupt nicht mehr zu benutzen. Denn letzendlich sollte es egal (das Wort egal bedeutet ja gleich) sein, es dürfte keine Benachteiligungen geben, egal in welcher (Familien-) Konstellation ich lebe, ist es aber leider nicht, wie wir alle wissen. Das gleiche gilt ja auch für die so genannten anderen „Randgruppen“ (dieses Wort finde ich übrigens genauso schlimm, wenn nicht noch blöder), denn wer bestimmt was der Rand und was die Mitte ist?? Und wer grenzt wen aus? Und daher muss man „ihr-wisst-schon-welches-Wort“ halt doch immer noch benutzen, um, wie Alexandra schon gesagt hat, gefunden zu werden.

    Aber noch eine Frage: Superfrau & co. oder ähnliches, das finde ich auch unpassend, denn es gibt auch Superfrauen, die kein/e Kind/er haben …. oder Supermänner 🙂

    Uns fällt bestimmt noch was Tolles als Ersatz ein 🙂

    Einen schönen Sonntag allen

    Claudia

    1. Liebe Claudia,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich kann dir absolut zustimmen. Ich bin sehr gespannt, wie es in 20 Jahren aussehen wird.

      Dir auch einen schönen Sonntag:)

      Viele Grüße Alexandra

  10. Interessante Perspektive! Soweit hatte ich bis dato noch nicht gedacht…

    Mittlerweile sind meine Kinder fast erwachsen, und im Rückblick kann ich das durchaus auch so sehen. Die Brille. Von der ich nicht wusste, dass ich sie trage.

    Danke für diese sinnhafte und sinnstiftende Aufklärung!

  11. Wie wäre es mit Single Mom und Single Dad 😉 ist ja tatsächlich nur eine Übersetzung aber es klingt viel viel netter finde ich. Jedenfalls wird dabei nicht auf die Erziehung fixiert und auch nicht so stark auf das allein sein, sondern nur auf den Familienstand oderbesser Zustand. Singles sind ja auch keine Randgruppe.. ganz im Gegenteil…

  12. ALLEIN habe ich mich schon oft gefühlt – in den verschiedensten Situationen im Leben, aber das ist immer eine momentane Zustandsbeschreibung. Egal ob ich eine schwere Kiste zu tragen ist oder mehrere Dinge gleichzeitig zu erfüllen sind. Bezogen auf mein Leben mit meinen vier Kindern fühle ich mich frei und selbständig. Das ist vergleichbar mit dem beruflichen Status „Freiberuflich“ oder eben „Selbständig“. Da hat man die Chance selber zu entscheiden und zu handeln und Verantwortung zu tragen. Ob ich etwas tue ist meine Entscheidung! Wofür ich mir Hilfe hole ist meine Entscheidung! Wie ich die Ergebnisse bewerte liegt an mir! Das ist FREIHEIT! – und die haben wir alle.
    Ich bin selbständig-erziehend (wenn’s schon eine Wortkreation sein soll) und ich bin frei mit meinen Kindern. – Das ist doch schön! Und lässt soviel Raum für kreative Entscheidungen, Chancen mich zu Verwirklichen, in dem Leben mit den Kindern.

    Meine Leitsätze:
    Mut und Leidenschaft
    Sei freundlich und liebevoll zu dir!
    Schau nach vorn und tue es!
    Und zum Schluß ein Zitat von Reinhard Mey, das ich schon vor vielen Jahren verinnerlicht habe: Wichtig ist, das du die Fehler (die immer passieren) mit Liebe gemacht hast.

    Pass auf dich auf!
    Klaus
    PS: Deine Gedanken sind die wirkungsvollste Droge, die es gibt – kostenlos und legal!

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