Die nutzlose Frage, die mich als Alleinerziehende am meisten Kraft kostet

stark und alleinerziehend Alexandra widmer

Und was das mit dem Mütterthron und der Vaterentbehrung zu tun hat.

In diesem Artikel erfährst du, welche Frage du dir als Alleinerziehende NIE wieder stellen solltest, wenn du bei Kräften bleiben möchtest. Und was du dir stattdessen überlegen solltest.

Folgen einer Weihnachtsfeier

Hallo,

mein Name ist Johanna. Ich bin 35 Jahre alt und habe einen 7-jährigen Sohn und eine 3-jährige Tochter. Es sind Wunschkinder. Mein Ex-Partner Dirk (40) und ich haben uns riesig auf die Kinder gefreut. Wir waren glücklich unsere eigene Familie zu haben. Dirk war ein Mann, der mitten im Leben stand und in seinem Job wirklich viel Verantwortung trug. Ich war also fest davon überzeugt, dass er das auch unseren Kindern gegenüber tun würde.

Ich erinnere mich noch genau. Es ist ein Jahr her. Dirk kam von seiner Weihnachtsfeier 2014 nach Hause. Erst früh am Morgen torkelte er ins Schlafzimmer und weckte mich.

Ich kann nicht mehr. Ich muss gehen. Da gibt es eine andere Frau. Eine Minute später schnarchte er und ich saß da. Schockiert und ratlos.

Erst dachte ich es, dass es ein Ausrutscher bei der Weihnachtsfeier gewesen sei. Doch dem war nicht so. Drei Tage später hatte Dirk seine Sachen gepackt und war weg. Wohin er ging konnte ich nur ahnen.

Der Auszug aus unserem Haus erfolgte drei Wochen später und ich war wie in Trance. Von ihm kamen Aussagen wie: Es hat nicht sollen sein zwischen uns. Wir haben uns auseinander gelebt. Die Liebe ist einfach weg.

Es ging alles so schnell und ich funktionierte nur noch wie ein Zombie. Doch mir war wichtig, dass unsere Kinder weiterhin Kontakt zu ihrem Vater haben sollten. Schließlich hatte er sich doch nur von mir getrennt. 

Bei unseren Anwälten vereinbarten wir zu Beginn recht komplikationslos den Umgang. Jedes 2. Wochenende und einen Nachmittag unter der Woche.

Zuerst klappte diese Regelung auch sehr gut. Doch dann war plötzlich Dirk´s neue 2-Zimmer-Wohnung zu klein. Was für ein Wunder.

Der Wandel-auch ohne Glühwein

Im Laufe dieses Jahres wurde der Kontakt von Dirk zu unseren Kindern immer geringer. Er rief sie nicht mehr an und an den Wochenenden versuchte er sie früher als vereinbart abzugeben. Mal hier 30 Minuten und mal dort 5 Minuten.

Auf Nachfragen meinerseits reagierte er abwehrend. Ich erkannte ihn nicht wieder. Es war nicht mehr der Mann, mit dem ich zwei Kinder in die Welt gesetzt hatte.

Mich quälte diese eine Frage:

Warum? Warum zieht sich ein Vater von seinen Kindern zurück, wenn er sie früher tagtäglich gesehen hat?

Manch eine wird jetzt sagen: Sei doch froh, dass er sie überhaupt nimmt. Der Vater meines Kindes meldet sich überhaupt nicht. Darauf kann ich nur antworten: Ja, du hast Recht. Noch schlimmer.

Doch ab und an frage ich mich, was die Kinder mehr belastet. Gar kein Kontakt oder das was ich mit meinem 7-jährigen Sohn seit knapp einem Jahr erlebe.

Er weint nach dem Vater. Abends im Bett. Und wenn wir ihn anrufen wollen, geht die Mailbox an. Das macht mich so wütend. Wenn ich das dann Dirk erzähle, bekomme ich zu hören das es an mir liege und ich nicht mit der Trennung klar komme.

Na klar, ist es zum Ko…..so sitzen gelassen zu werden. Wer springt da bitte vor Freude an die Decke? Doch ich bekomme einen Hals, dass NUR mein Verhalten daran Schuld sei, wenn unser Sohn seinen Vater vermisst. Seit kurzem pinkelt er wieder ins Bett.

In der Erziehungsberatungsstelle wird mir ähnliches erzählt: Frau S. sie müssen sich um ihren Schmerz kümmern. Ja, verdammt noch mal, das tue ich. Aber sie wissen nicht wie bitter es ist, wenn ein Kind traurig ist, weil der Vater nicht zum Sommerfest erscheint. Die Sehnsucht seines Sohnes geht anscheinend komplett an ihm vorbei.

Über den Geburtstag unser kleinen Tochter war Dirk mit der neuen Freundin nach Rom verreist. Sein Argument war, ich hätte ihn sowieso nicht dabei haben wollen. Was definitiv nicht stimmte.

Aber trotz all dieser Ereignisse habe ich in diesem Jahr immer wieder versuch, ihn weiterhin als Vater miteinzubeziehen. Doch je mehr ich ihm per Whats app Fotos von den Kindern sendete und ihn über Fortschritte in ihrer Entwicklung versorgte, desto weniger tat er.

Meine Grundüberzeugung oder der Anti-Mütterthron

Genau diese Handlungen sind es, die mich dieses Jahr so viel Kraft gekostet haben. Und die leider noch in mir tief verwurzelte Grundüberzeugung:

Ich muss verhindern, dass die Kinder den Kontakt zum Vater verlieren. Damit sie keine Vaterentbehrung erleben.

Und dann lese ich gestern Morgen den Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Mütter sollen von ihrem Thron gestoßen werden. In einem Interview berichtet die Autorin Jeannette Hagen, die ein Buch über ihr Leid als verletzte Tochter mit abwesendem Vater geschrieben hat.

Ich bin die Letzte, die den Vater meiner Kinder zu einem Zahl- und Wochenendvater degradiert. Das tut er selbst!

Liebe Frau Jeannette Hagen, sicherlich gibt es Mütter, die ihren Kindern den Kontakt zu Vater unterbinden wollen. Doch der Anteil derer Frauen und Mütter die tagtäglich darum kämpfen, dass ihre Kinder mit einem Vater aufwachsen kommt mir in ihrem Artikel und der gesamten deutschsprachigen Berichterstattung eindeutig zu kurz. Ich brauche keinen Mütterthron.

Und dieser Kampf kostet mich und viele anderen Mütter viel Kraft, die sie wieder daran hindert genug Energie im Alltag für sich selbst und ihr Kind zu haben.

Vom Verstand ist es mir völlig klar, dass ich nur meinen mütterlichen Anteil an Verantwortung für mein Kind zu tragen habe.  Doch mein Herz erzählt mir etwas anderes.

Lösung: Andere Frage stellen

Ich darf mir nicht mehr die Frage nach dem Warum stellen. Warum ist er nicht da? Warum meldet er sich nicht? Warum sind ihm seine Kinder anscheinend egal?

Sie ist destruktiv und führt zu nichts. Vielmehr darf ich lernen mir die Frage zu stellen:

Wie halte ich es aus zu sehen, dass mein Kind den anderen Elternteil vermisst und ich nichts daran ändern kann?

Ich muss lernen, meinem Kind diesen Schmerz nicht abnehmen zu können. Ich kann den anderen Elternteil nicht ersetzen. Stattdessen halte ich mein Kind in dem Arm und bin als Mutter einfach da. Das muss ich akzeptieren.

Beim nächsten Mal, wenn mein Kind nach dem Vater weint, schreibe ich keine SMS, sende keine Fotos und rufe nicht an.

Wenn Dirk Kontakt zu seinen Kindern will, ist es an ihm zu kommen und seinen väterlichen Anteil an Verantwortung zu übernehmen. 

Vielen Dank!

Johanna

P.S. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind reiner Zufall.

Vielen Dank für dein Interesse und ich freue mich, wenn du diesen Artikel jetzt teilst.

Alexandra

P.S. Nur wenn es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut.

43 Kommentare, sei der nächste!

  1. Danke! Ich sitze hier und bin den Tränen nahe… So extrem ist es bei uns noch nicht und ich bin dankbar, dass er meinen drei Heiratsanträgen damals ausgewichen ist. Aber jetzt ist es wirklich so, dass er seine Arbeit und seine Beziehungen immer vor das Kind zieht. Die Zeit wird immer knapper, Reaktionen kommen faktisch nur, wenn ich nachhake. Und die Papawochenenden finden bei seiner neuen Beziehung auf dem Reiterhof ab, wohlkalkuliert. Ich kann meiner Tochter das ja nicht erklären, warum ich dabei Magengrummeln habe, ohne den Vater schlecht darzustellen. Vor kurzem kam von ihm sogar der Vorschlag, Weihnachten auf dem Reiterhof alle zusammen zu feiern. Na Prost Mahlzeit!

    Ich teile deine Auffassung. Wir sind nicht für die Väter verantwortlich. Sie sind erwachsen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir für unsere Kinder da sein können. Für uns selbst da sein, um Kraft für die Kinder zu haben und nicht selbst unter zu gehen. Kindertränen und Schmerz sind für uns Mütter grausame Folter. Aber wir können es nicht verändern, so sehr es in uns auch brüllt. Kinder werden älter, sie lernen dazu, finden ihre eigene Meinung und wir können dann stolz sagen: wir haben unser Möglichstes getan.

    1. Wenn ich so etwas lese denke ich immer:“ Gott sei dank steh ich nicht alleine da.“
      Ich habe zwei Kinder, Phil 15 und Marc 7. Beide sind von unterschiedlichen Vätern.
      Phil hat regelmäßigen Konrakt und kann das natürlich auch selber entscheiden. Sein Vater kümmert sich um die kieferorthopädische Behandlung und fährt ihn dort hin und übernimmt sogar die Kosten dafür. Wir können ihn auch zu jeder Zeit anrufen, wenn wir Hilfe brauchen.
      Marc sein Papa, psychosomatisch erkrankt, hat ihn jedes 2. Wochenende und auch in der Woche holt er ihn nach Absprache von der Tagesmutter oder fragt auch mal am Mama Wochenende ob Marc irgendwo mit hin möchte. Er hat sich rührend um die Schwimmkurse für Narc gekümmert und hat ihn dort hingefahren und auch die Kosten übernommen.
      Zum Anfang hatten wir mit Marcs Papa immer leichte Probleme, bzw eigentlich war ich diejenige, die sich daran so aufgerieben hat, wenn er sich nicht zwischendurch mal gemeldet hat. Marc hat eine sehr innige Beziehung und möchte seinen Papa an allem teilhaben, kann es mittlerweile gar nicht verstehen, wenn auf seine whats App die er ihm geschickt hat, von seinem Papa keine Antwort kommt. Ich sage da nichts mehr zu. Das muss er Marc selber erzählen, denn Marc ist ein ganz schlaues Köpfchen, dem er nichts mehr vormachen kann.
      Auch ich könnte es nicht verstehen, wenn die Väter sich auf einmal gar nicht mehr melden.
      Fakt ist: Ich bin mittlerweile so stark, dass es mir egal wäre. Die Väter müssten das selber verantworten,
      Mütter die den Kindsvätern den Umgang verbieten, kenne ich allerdings auch und muss sagen: Diesen Müttern müsste man mal das gleiche antun, denn sie stellen ihre Gefühle für diese Situation vor die Bedürfnisse ihrer Kinder und Expartnern.

      1. Liebe Maike, vielen Dank für deine sehr klaren und tollen Worte. Ich kann diesen zu 100% zustimmen. Es ist wichtig, dass wir als Eltern lernen mit unseren Verletzungen woanders auszuagieren. Nur nicht bei den Kindern. Einfach ist es nicht. Aber es gibt keinen anderen Weg und ich hoffe, dir können hier erste Impulse setzen.

        Alles Gute und Dich und deine Söhne

        Alexandra Widmer

    2. Liebe Murinia,

      danke für deine Worte und ich kann dein Magengrummeln so gut verstehen. Es verlangt uns einiges ab, über den Dingen zu stehen. Ich habe es oft nicht geschafft und auch heute noch muss ich mich oft „zusammenreißen“.

      Ich wünsche dir viel Mut und Kraft mit neuen Herausforderungen umgehen zu können.

      Alles Gute Alexandra Widmer

  2. Ich kenne die Gruppe von Vätern, die sich zurück ziehen und kaum um den gemeinsamen Nachwuchs kümmern oder jene, die „aufrüsten“. Da werden dann alle Absprachen, vereinbarten und bewährten Erziehungsrituale und Methoden über den Haufen geschmissen und der Nachwuchs nach Strich und Faden von den Vätern verwöhnt, auch weil jene wissen, dass die Mütter nicht mithalten können. Da werden schon mal für das Haus sämtliche Verträge mit den Versorgern (Gas, Wasser etc.) ohne ein Wort gekündigt und plötzlich geht das Licht aus, man kommt den Unterhaltszahlungen nicht oder nicht pünktlich nach und fährt stattdessen mit den Kindern in den All-inklusive-Urlaub in die Sonne, stattet den Nachwuchs mit I-Phones etc. aus, zieht an den Vater-Wochenenden ein super Programm von Schwimmbad, Kart fahren etc. durch mit anschließenden Restaurantbesuch und und und…Der Nachwuchs darf aufblieben so lange er will, selbstverständlich Stundenlang TV schauen, Videospiele spielen und… und Sonntag Abend werden dann total übermüdete, leicht „durchgeknallte“ Kinder bei der Ex-Frau wieder abgegeben. Die darf es dann wieder „richten“ bis zum nächsten Mal.
    Und wer glaubt, dass dies ohne Kommentare seitens der Kinder abgeht, der irrt. Da fragt man sich, was ist besser? Leider sind die Leittragenden immer die Kinder. Der Weg dazwischen ist schmal und scheinbar für viele nicht machbar oder begehbar.
    Kinder möchten immer dass die Ursprungsfamilie erhalten bleibt – und wir Erwachsenen wissen, dass dies leider oft nicht mach-/haltbar ist. Die Sehnsucht wird bleiben…so wie wir uns nach Unterstützung, mehr Wertschätzung, auch nach Liebe und Geborgenheit sehnen. Nein, wir können den fehlenden Partner nicht ersetzen. Aber wir können den Kindern vermitteln, dass wir für sie da sind. Wir die verlässliche „Größe“ sind. Und dann doch lieber ohne weitere „Einmischung“ oder?

    1. Liebe Gina,

      danke für deine Worte. Was meinst du mit Einmischung? Und ich gebe dir Recht, den schmalen Weg zu finden ist eine Kunst und bedarf viel Reflektion durch den Vater und der Mutter.

      Viele schaffen es nie, andere nach Jahren und manche in kurzer Zeit. Sie sind ein Wunder, dass ich auch noch mehr verstehen möchte.

      Liebe Grüße Alexandra Widmer

  3. Vaterentbehrung das ich nicht lache ist hier kein Thema.
    Wo kein gewollter Kontakt ist gibt es auch keine Entbehrung.
    Und wenn er eine neue Beziehung hätte wird diese garantiert nichts mit meiner Tochter zu tun haben. Seine ist es traurigerweise nur auf dem Papier. Wer Geburtstage „vergisst“ braucht sich auch sonst nicht sehen lassen wenn sie älter ist darf sie selbst entscheiden ob sie Kontakt möchte oder ihm eine Ansage macht. Ich ärger mich da nicht mehr. Bringt nichts.

    1. Liebe Nena,

      danke für deinen Kommentar. Genau, die Kinder werden selbst entscheiden, wir sie irgendwann dazu stehen werden. Wichtig ist, dass wir uns an dem WARUM nicht ewig aufreiben.

      Alles Gute für Dich und deine Tochter

      Alexandra

  4. Nein, ich stelle mir diese Frage nie. Denn bei uns liegt die Sache etwas anders. Dem „Vater“ konnte ich ganz zu Beginn der Schwangerschaft aus einer Gewaltbeziehung entkommen. Das war schwer, und ich habe es FÜR MEIN KIND getan, alleine hätte ich vielleicht die Kraft nicht gefunden. In den vergangenen zweieinhalb Jahren waren wir mit mehr als 10 Aktenzeichen vor 3 Gerichten……er versucht immer noch, über die Umgangs- und Sorgerechtsschiene in mein Leben einzubrechen. Niemals habe ich den Umgang verweigert, alle Abbrüche und Klagen gingen stets von ihm aus, die Anträge waren einer absurder als der andere und verhinderten den Umgang eher als ihn zu fördern. Trotzdem wäre er der erste, der genau das behauptet, nämlich das ich ihm das Kind vorenthalte (steht auch so in vielen, vielen Schreiben ans Gericht.) Deswegen ärgert mich dieser Artikel. Und ich kenne einige Mütter, denen genau das Gleiche passiert. Und dann so etwas lesen müssen.

  5. Es ist als ob es nur schwarz, oder weiss gibt.
    Entweder der totale Kampf um die Kinder, bei wem sie leben sollen / dürfen, natürlich auf dem Rücken der Kinder, die diese Entscheidung noch lange nicht alleine treffen können.
    Oder das Nicht-Interesse…unter dem wiederum die Kinder leiden. Welches Leid ist schlimmer, welches setzt den Kindern mehr zu?
    Was wirkt nachhaltiger….
    Es ist zum verrückt werden, es letztlich eben doch nicht gut meistern zu können, denn wir Mamas, welche Situation wir auch immer retten müssen, auch nur Menschen sind und die Neutralität vielleicht irgendwann nicht mehr wahren können. Einen schönen Satz habe ich vor einiger Zeit gelesen….für die Kinder!

    „Wir dürfen Papa lieben, müssen aber nicht alles toll finden, was er macht….!!!!“

    Ich finde, da bleibt ein Stück weit Neutralität , es bestätigt die Kinder in dem Gefühl und lässt die Liebe und Sehnsucht dennoch nicht außen vor.

    Es ist so schwer….aber alle werden ihren Weg gehen müssen. Er ist uns ohnehin vorbestimmt…manchmal hilft es vielleicht, wenn man sich als Mama da hinein flüchten kann :-(…
    emma

    1. Liebe Emma, vielen Dank für deine Worte und den schönen Satz mit „Wir dürfen Papa auch lieben…..

      Und ja, wir sind auch nur Menschen und ich denke, jede und auch jeder hat trotz allen Wissens Dinge getan, die wir besser hätten machen können. Aber auch an dem Punkt ist es wichtig mit sich sorgsam umzugehen und sich nicht zu verurteilen.

      Alles Gute für Dich

      Alexandra Widmer

  6. Seit unserer Trennung sind es 4 Jahre und ich habe es trotz Psychotherapie auch noch nicht geschafft. Wenn mein Exmann sich verspätet und die Kinder unruhig werden, kriege ich Bauchschmerzen. Am 1.Advent spielte meine Tochter in der Kirche Geige, ihr Vater kam wie immer zu spät. Es ist schon so oft passiert, sie konnte sich nicht auf die Musik konzentrieren, starrte die ganze Zeit den Eingang an. In solchen Momenten wünsche ich mir, er wäre weg für immer. Dieses russische Roulette ist nervenzerreißend.

    1. Liebe Joanna,

      danke für deine Worte. Es tut mir sehr leid und es ist so bitter. Ich wünsche dir, dass ihr einen Weg finden werdet um nicht wiederholt zu frustriert zu werden.

      Manchmal frage ich mich, ob es besser ist, den Kindern nicht zu sagen, dass der Vater bzw. Mutter kommen wollte.

      Alles Gute wünscht dir Alexandra Widmer

  7. Also ich stehe da eher für die Kehrseite…
    Mein Sohn hat einen Vater, dem ich Umgang gesetzlich gesehen gewähren muss.
    In diesem Bereich gibt eine viel zu große Grauzone, in der das Leben der Mutter absolut vernachlässigt wird und zwar mit der Vorschrift: „Die Gefühle der Mutter sind auszublenden, wenn es um persönliche Kränkungen, Abwertungen, Demütigungen, Drohungen gegen die Mutter geht. Das Kind (soll ja auch meiner Meinung nach) steht an zentraler Stelle! Und wenn das Kinderwohl nicht als gefährdet gilt, dann hat die Mutter das hin zu nehmen über die gesamten Jahre…“

    Ich frage mich, habe ich dabei kein Recht auf Lebensqualität?
    Haben Kinder nicht das Recht auf Väter, die einem den sozialen Umgang als Vorbild mit Respekt vorleben? Den Umkehrschluss gibt es da nicht (so lange er so nicht mit dem Kind umgeht, sieht hier keiner das Kinderwohl gefährdet) …

    Das finde ich aber sehr wohl…

    Ich habe inzwischen sehr viel versucht und habe gelernt, mich zu schützen. Jeder Umgang, den mein Kind mit ihm hat, bereitet mir Sorgen, da ich nicht möchte, das mein Kind so wird wie er. Ich weiß, das hört sich ziemlich so an, als würde ich meine Verletzungen noch immer mit mir rum tragen. Vielleicht ist es auch so? Mit Sicherheit. Aber ich weiß wozu dieser Mensch in der Lage ist und behaupte, dass dieser Umgang auf Grund dessen nicht gut für mein Kind ist.

    Ich wünschte mir hier, dass dieser von alleine mal den Kontakt nicht mehr suchen würde.

    1. Liebe Gina,
      ich danke dir für deine Sichtweise und deine Offenheit.

      Du wirst deine Gründe für deinen Vorbehalt haben. Zu den rechtlichen Themen kann ich nicht viel sagen.Die Frage die sich mir stellt, wie kannst du es dir gut gehen lassen, obwohl dein Kind den Vater sieht?

      Was wäre, wenn du deinen Fokus umlenken würdest? Weil du nämlich ein Recht auf DEIN gutes Leben hast. Wie kannst du dennoch damit beginnen?

      Viele Grüße und alles Gute Alexandra Widmer

    2. Liebe Gina,

      Du machst dir Sorgen, dass Dein Kind durch den Umgang mit seinem Vater so wird wie er. Das kann ich gut nachvollziehen. Aber vertraue Dir und Deinem Kind. Dein Kind verbringt die meiste Lebenszeit seiner Kindheit mit Dir. DU vermittelst ihm DEINE Werte, auch dadurch, dass Du ihm den Kontakt zum Vater gewährst. Kinder sind klug. Meine Kinder sind mittlerweile so alt, dass in der Lage sind, Ihrem Vater auch ihre Meinung zu sagen, wenn er wieder einmal negativ über mich redet. Sie lieben ihn, aber sie sehen auch die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Elternteile. Sie betrachten und bewerten Dinge durchaus kritisch. Gehe davon aus, dass Dein Sohn eine gute Zeit mit seinem Vater verbringt. Wenn dem nicht so ist, wird er Dir das auf seine Art sagen.

      Es ist unendlich schwer, aber versuche in dieser Zeit loszulassen und die Zeit für etwas Schönes für Dich zu nutzen.

      Glaub mir, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist.

      Alles Liebe
      Sonja

  8. Der Artikel spiegelt leider die Sicht vieler jugendamts- und Gerochtsmitarbeiter wieder. Ich frage mich, ob es früher so viele Mütter gab, die Ihre „Position“ so genutzt haben.
    Ich habe damals sogar das Sorgerecht geteilt, weil der Vater meiner Tochter immer, egal was passiert, alle Möglichkeiten haben sollte.
    Heute muss ich leider sagen es war ein Fehler.
    Das geteilte Sorgerecht und meine konstanten Erinnerungen an alles! Irgendwann war ich es leid, dass er sich überall als fürsorgliche super Papa darstellt, obwohl er selbständig nichts gebacken bekommt. Seine komplette Familie unterstützt ihn und richtet ihr Leben nach ihm aus. Eigentlich sein Glück, sauer macht mich es, weil eine gemeinsame Sorge trotz der Unterstützung nie statt fand und nicht findet. Das ich den Job seiner persönlichen Sekretärin aufgegeben habe, wird schön verdreht. Ich will damit provozieren, ihn Ausgrenzung. Dass dies nie meine Aufgabe war, ich ein eigenes Leben führe und für seine Unfähigkeit einfach keine Energie mehr habe, wird nicht gesehen….
    Ich habe es viele Jahre freiwillig getan und somit ist mitlerweile meine Pflicht! Das ich das all die Jahre getan habe, damit meine Tochter einen aktiven Vater hat, wird mir jetzt zur Last gelegt….
    Ich würde mich freuen, wenn mein Tochter zu ihrem Vater will, wir Weihnachten und/oder Geburtstage zusammen feiern könnten…..

    1. Liebe Jennifer,

      danke für deinen Kommentar und deine Offenheit. Ja, es ist erstaunlich, dass trotz gemeinsamer Sorge nichts davon im Alltag zu sehen ist. Und dieses Verhalten oft keine Konsequenzen hat. Ich hoffe du bleibst bei Kräften und glaubst an dich als Mutter und Frau.

      Alles Gute Alexandra Widmer

  9. Ich bin selbst Kind eines Vaters, der sich nach der Scheidung meiner Eltern nie wieder bei mir gemeldet hat und auch sonst keinerlei Interesse gezeigt hat. Nicht einmal erkundigt, wie es mir geht! Er hat einfach ein neues Leben angefangen, eine neue Frau geheiratet, und anscheinend war damit die Sache für ihn vom Tisch und erledigt. Ich war fünfzehn zu der Zeit und ich hätte gern Kontakt zu meinem Vater behalten. Meine Versuche, das zu erreichen, hat er ignoriert.
    Heute habe ich drei Söhne von zwei Vätern, und leider hat sich bei meinen Kindern diese Problematik wiederholt.
    Mein ältester Sohn hat seinen Vater nie gesehen und möchte es heute auch nicht mehr. Er hatte – vor allem in den Jahren, in denen ich allein erziehend war – eine schöne Kindheit. Wir hatten viele verschiedene Menschen/Freunde um uns herum… und er hatte eine Mama, die ihm zu jeder Zeit Sicherheit und Stärke vermitteln konnte. Denn ich hatte Freunde, die mich gestärkt und unterstützt haben, so dass auch ich mich sicher fühlen konnte ohne große Existenzängste.
    Meine beiden jüngeren Söhne mussten leider in einer sehr schwierigen Ehe immer wieder erleben, dass ihr Vater keinerlei Interesse und Verantwortung ihnen gegenüber wahrgenommen hat. Nach der räumlichen Trennung hat sich dies natürlich fortgesetzt. Es gibt keinen oder nur spärlichen Kontakt zum Vater.
    Meine Kinder nehmen das alle drei sehr gelassen auf. Ich hatte bislang nie den Eindruck, sie würden unter dem Desinteresse ihres Vaters leiden. Die Einzige, die glaube ich leidet, bin ich!
    Ich kann bis heute nicht fassen, dass ein Mensch sein Kind einfach nicht beachtet und sich obendrein nicht einmal verantwortlich fühlt. Auch beschäftigt mich sehr die Frage, was gerade Jungen aus einem solchen Verhalten ihres Vaters für Schlüsse ziehen und was sie davon womöglich in ihr eigenes Rollenverständnis übernehmen. Ich bin aber inzwischen auch an dem Punkt angekommen, wo ich akzeptiere, dass ich an dem Nicht-Verhältnis zwischen Kindern und Vätern nichts ändern kann und dass es auch nicht in meiner Verantwortung liegt. Traurig macht es mich trotzdem.

    1. Liebe Martina, danke für deine Worte und deinen Einblick. Diese Frage stelle ich mir auch. Was lernen die Kinder dadurch. Die Folgen werden wir später sehen und du hast recht, wenn du sagst es liegt nicht in deiner Hand.

      Es auszuhalten bleibt für jede Mutter sehr schwierig und macht traurig.

      Ja, das ist es.

      Alles Gute für dich und deine Söhne.

      Alexandra Widmer

  10. Ich kann und werde diese Ungerechtigkeit nie verstehen. Ich habe zwei Knder, diese sind mittlerweile 17 und 13 Jahre alt. Nach Jahren des enttäuscht werden, haben sie sich von ihrem Vater abgewendet. Er hat ein neues Leben begonnen in welchem sie keinen Platz mehr hatten, die Situation war transparent und eindeutig. Trotzdem wird mir immer noch vorgeworfen, ich würde die Kinder manipulieren. Auch vor Gericht bei der Scheidung wurde ich per se in diese Rolle gedrängt. Ich schöpfe immer wieder Kraft aus der Tatsache, dass ich weiss was ich getan und nicht getan habe. Ich habe gelernt, dass ich niemandem Rechenschaft schuldig bin. Ich gehe heute mit erhobenem Kopf und auch mit Stoltz durch die Welt, ich hatte oder habe einen schwierigen Weg, aber ich bin jeden Schritt alleine gegangen, ohne aufzugeben.

  11. Ich bin Mutter von vier Kindern, von denen momentan nur zwei Kontakt zum Vater wünschen und somit auch haben. Zwingen will und werde ich meine Kinder nicht.
    Die Kontakte finden betreut statt, da er mir und auch den Kindern Gewalt angetan hat.
    Ich finde es abscheulich, dass wir als Mütter den Vater niemals zwingen könnten, Umgangstermine wahrzunehmen, andersherum aber sehr wohl gezwungen sind: wohlwollend den Kontakt herzustellen, Besuche zu ermöglichen, nett zu lächeln, obwohl wir viel lieber die Tür zuschlagen wollen, zu warten oft stundenlang, positiv über den Vater zu sprechen, auch wenn einem kaum was positives einfällt…
    Ich bin mit Leib und Seele Mutter und ich denke mir auch manchmal, dass es entmutigend ist, zu sehen, mit wieviel alltäglichen Dingen man allein konfrontiert ist. Niemanden zu haben, an den man mal die eine oder andere Aufgabe (z.B. Rasenmähen 🙂 ) selbstverständlich abtreten kann.
    Jedes Mal, wenn es mir anfängt zuviel zu werden, denke ich daran, dass ich ‚mit ihm‘ noch schlechter dran wäre. Dass es den Kindern schlechter gehen würde, all dem Stress, dem Druck und der Scheinheiligkeit nach außen ausgesetzt zu sein.
    Was nehmen wir Mütter denn bitteschön alles in Kauf?
    Was nehmen wir alles auf uns?
    Was halten wir trotzdem noch aus?
    Wieviel leisten wir nun, ohne Partner, mehr?
    Es sollte unser Recht sein, uns auf einen ‚Mütterthron‘ zu setzen. Nur haben wir dafür keine Zeit.
    Wer hat den Artikel in der SZ geschrieben?
    Eine Dame ohne Kinder, wahrscheinlich mit einem Kerl, der in Wirklichkeit seine Kinder absichtlich verlassen hat aber ihr erzählt, dass es seiner raffgierigen Ex nur um die Alimente ging?
    Eine Dame, die für die ‚armen‘ Männer der Gesellschaft eine Lanze brechen will? Soll sie meine nehmen, daran schneidet sie sich ihre Blödsinn tippenden Finger. Und das tut nicht so weh, wie das was wir in allen Facetten erleben.
    Mütterthron… wir sind froh um jedes noch so kleine Sitzkissen am Zeitfenster in dem Blumen stehen.

  12. Ich habe selbst 3 Jahre lang darum gekämpft und alles dafür getan, dass der Vater meiner Kinder den Kontakt zu ihnen hält (Briefe geschrieben, telefoniert, Mediation, Beratung…). Es hat NICHTS genützt. Ich wünschte, ich komme auch an den Punkt, an dem ich mir die Warum-Frage nicht mehr stelle. Aber da die Kinder sie stellen (und ich ihnen für das Verhalten ihres Vaters leider keine Erklärung liefern kann, glaube ich das nicht.
    Immerhin wird es weniger, dass ich mich Frage, ob ich etwas anders hätte machen können und ich höre auf, mir Vorwürfe zu machen.

    Väterentbehrung mag es ja geben, aber ich halte das auch für einen sehr seltenen Fall (ich kenne sehr viele AEZ und da ist es leider immer anders herum), der meines Erachtens häufig von einigen dieser merkwürdigen, frauen- bzw. mütterverachtenden Vätervereine hochgepuscht wird (da hab ich leider in letzter Zeit so einiges gelesen).
    Den Artikel in der SZ habe ich zum Glück nicht gelesen – ich wäre bestimmt sehr wütend geworden. Ich fühle mich sowieso schon ohnmächtig dem Verhalten bzw. Nichtverhalten des Vaters ausgeliefert.

    1. Liebe Claudia,

      danke für deine Worte und ich kann dir voll und ganz zustimmen. Ich denke auch, dass das Feedback dieses Artikels eindeutig zeigt, dass bislang eine Verzerrung der Mütter in der Öffentlichkeit entstanden ist. Das muss sich ändern und wir schreiben weiter, bis es alle verstehen.

      Alles Gute für dich und deine Kinder.

      Alexandra Widmer

  13. Ja der Schmerz bleibt, das ich keinen besseren Vater …“ausgesucht“ habe.
    Hinterher wissen es alle besser…
    Wir können wirklich nur den Schmerz unserer Kinder aushalten versuchen und versuchen zu optimieren, was möglich ist …durch gewaltfreie Kommunikation (Rosenberg) …..nehmen, was der Vater hergibt, egal ob zeitlich, emotional, kommunikativ, monetär ….
    das klingt nach devot, ist es aber nicht….
    Mein Kind ist mein bester Trainer, ich übe es jeden Tag!
    Und trotz Disziplin bin ich auch nur Frau!
    Am Ende und Rand meiner Kräfte, ja.
    Warum geben das nicht mehr Frauen zu, auch die, die noch in Beziehung sind , so viel auch noch zusätzlich im Job. „Die alles ist möglich Lüge“ empfehle ich als u-Tube oder Buch. Warum halten wir Frauen nicht endlich zusammen, wir sind in der Mehrheit mit den…… unseren…Kindern!
    Warum diese Konkurrenz, egal welche Lebensform….?
    Es geht um das Wohl unserer Kinder. Deswegen
    Haut alle weg vom Thron!
    , nur wie?
    Wer richtet vor Gericht oder ist Anwalt? Alleinerziehende? (Männer oder Frauen) sind da nicht vertreten.
    Selbst in Saudi Arabien dürfen jetzt Frauen wählen, und sie dürfen sogar Frauen wählen.
    Also lasst uns endlich zusammenhalten….
    und die liebevollen Stiefmutter und Tanten ehren. Wohl dem, der die hat…..

  14. Hm hm.
    Ich bin Vater von 4 Kindern. 16,13,7&5 Jahre alt. Ich wurde vor einem Jahr von meiner Frau verlassen.
    Die beiden großen wollen bei mir wohnen und haben 2 bzw. 4 Tage Umgang mit ihrer Mutter. Die keinen wohnen bei ihr und sind 6 von 14 Tagen bei mir.
    So kann es also auch sein.

    Das war bei Gott keine glückliche Scheidung. – Die gibt es glaube ich nicht. Aber eines war mir klar: ich bin und will ein guter Vater sein für meine Kinder.
    Wer abhaut und sich nicht meldet ist feige und vielleicht einfach nicht erwachsen.

    Was mir bei Konflikten hilft ist mir immer wieder bewusst zu sein dass ich und meine Ex jeder nichts falsch machen. Ich mache es eben anders als sie und sie macht es anders als ich. Und das ist auch gut so.

    Situationen wo wir gemeinsam mit den Kindern zusammen sind gibt es kaum. Aber das stört im Moment keinen so richtig. Keiner hat wirklich Lust darauf.
    Wenn es nicht geht geht es eben nicht. Lieber den Kontakt von beiden Eltern für sich als verzwungene gemeinsame Unternehmungen.
    Es gibt so viele Arrangements an denen man teilnehmen sollte, dass das gar nicht möglich ist da immer gemeinsam aufzukreuzen.
    Einfach aufteilen und nicht versuchen als „happy Family“ dazustehen wenn es eben nicht so ist.
    Alle haben mehr davon.

    Und ganz wichtig ist auch sich bewusst zu werden, dass ein Jahr 365 Tage hat. Ein Tag hin oder her mit oder ohne Kinder macht da nicht viel aus. Milimeterdemokratie ist kein gutes Fundament für Zusammenarbeit.
    Die großen Zusammenhänge zählen, nicht der Kleinkrieg über die verdammten 10 Minuten Verspätung beim letzten abholen…

  15. Danke!!! Ihr habt so recht! Ja, ich kenne auch ein paar Fälle in meinem Bekanntenkreis, bei denen die Mütter – teilweise auf wiederlieche Art und Weise – das Verhältnis zwischen Kind und Vater zerstören oder verhindern. Und ich kenne sooo viel mehr Fälle, bei denen die Mütter, obwohl sie unmöglich von ihren Ex- Männern verlassen und behandelt worden / werden, sich sehr dafür einsetzen, dass das Verhältnis zwischen Kindern und Vater irgendwie bestehen bleibt, allein schon um nich t noch mehr allein die Verantwortung und Arbeit tragen zu müssen.
    Mir ging es genauso: ein Vater, der grds. wenn von der Nummer seiner Kinder (was natürlich auch meine Nummer ist) angerufen wurde, nicht and Telefon geht. Der gleichzeitig sich bei seinen Kindern beschwert, die würden sich nicht bei ihm melden, wenn sie bei mir sind, daher dürften sie mich auch nicht anrufen, wenn sie bei ihm sind, auch nicht von ihren Handys. Und auch ich habe bei der Beratungsstelle als ich um Vermittlung in diesen Fragen gebeten habe, ob ich denn was mit den kinderfreien Wochenenden anzufangen wüsste. Sie hätten den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Vater und Kindern belastet sei, weil ich die Kinder nicht abgeben wolle!!!
    Ich kann mich noch sieben Jahre später aufregen, welcher Unverschämtheit ich damals begegnet bin. Und das leider in einer Zeit, in der ich wirklich keine Kraft übrig hatte, auch noch gegen unfähige und unverschämte Beratungsstellen und Vorurteile anzukämpfen.
    Geholfen haben mir damals meine Kinder. Wir haben es tatsächlich geschafft, gemeinsam zu trauern, um unsere „kaputte“ Familie. Und das tatsächlich ohne den Vater schlecht zu machen. Was aber nicht heißt, dass wir sein Verhalten uns gegenüber nicht besprochen hätten. Ich fand und finde es ganz wichtig, die Kinder in dieser Situation ehrlich zu trösten. Wenn wir alle wissen, dass der Papa keinen wichtigen anderen Termin hat, aber trotzdem keine Zeit für sein Kind, dann belüge ich das Kind nicht auch noch. Dann kann ich sagen, ich verstehe Papas Verhalten nicht, ich finde es nicht gut und deswegen werde ich mich Dir gegenüber auch nicht so verhalten. Und ich glaube gleichzeitig, dass der Papa Dich nach wie vor lieb hat. Nur die Wut auf ihn, die habe ich versucht, etwas vor den Kindern zu verbergen. Ich habe mich aber auch nicht geschämt, wenn mir das mal nicht geglückt ist.
    Im Großen und Ganzen bin ich im Nachhinein stolz auf mich und meine Kinder. Wir sind durch diese schwere Zeit gemeinsam stark geworden, zu einer Familie gewachsen, die den Namen Familie wirklich verdient. Und ich bin mir ganz sicher (und meine Kinder auch), wenn ich als Mutter weniger Mutter gewesen wäre, hätte das nicht hingehauen.
    Also: wir dürfen uns diesen Schuh nicht anziehen! Und wir sollten dafür sorgen, dass viel mehr wahrgenommen wird, was wir Eltern, die die Elternrolle nach der Trennung allein weiter leben, gesehen und gewertschätzt werden. Danke Alexandra, dass Du da so toll für uns alle unterwegs bist!!!

  16. Hallo!
    Ich bin seit einem Jahr von dem Vater meiner jetzt 8jährigen Tochter getrennt. Viele der anfänglichen Versprechungen, vor allem finanzieller Art, lösten sich in Luft auf. Wir versuchen das Wechselmodell (damit er nicht zahlen muss…ok, das ist meine Meinung dazu), aber es funktioniert immer weniger gut. Meine Tochter möchte das nicht, sondern länger bei mir sein. Das wird von ihm, beim ersten Mal, ignoriert mit den Worten: Es wurde aber anders abgesprochen und dabei bleibt es.
    Jetzt beim zweiten Mal (als meine Tochter es äußerte), habe ich ihn nicht mehr gebeten mit mir darüber zu sprechen, sondern gesagt, dass sie jetzt noch eine Woche länger bei mir bleibt, weil sie es will. Er war einverstanden, zu meiner Verwunderung und Erleichterung.
    Er ist in allem sehr widersprüchlich. Manchmal beschwert er sich, dass er kaum Zeit habe seine Arbeit zu planen (er ist selbständig), weil er sich ja um seine Tochter kümmern müsste. Wenn ihm dann jedoch gesagt wird, dass es doch dann vorteilhaft für ihn sei, wenn sie länger bei mir ist, sagt er, dass er Angst habe, den Kontakt zu ihr zu verlieren. Manchmal bringt er sie – vor allen an den Wochenenden – zu mir, weil er was anderes vorhat. Und er sagt mir auch was: Partys oder Stadion-Besuche seiner Lieblingsmannschaft. Dann wieder kauft er ihr viele Klamotten, fährt mit ihr ins Spaßbad oder macht viele andere schöne Sachen. Und ich gönne ihr diese Zeit und auch die Klamotten (dann muss ich sie nicht mehr kaufen).
    Ich frag(t)e mich: Warum macht er das? Und eigentlich kenne ich die Antwort: Er ist der Typ dafür und war schon immer so unsicher und wenig entscheidungsfreudig.
    Eine zeitlang habe ich geweint, wenn sie gegangen ist und die Woche bei ihm war. Das wurde jedoch nach ein paar Wochen besser. Ich hatte Angst, was ihr bei ihm passiert. Das sie enttäuscht werden könnte, wenn er Dinge verspricht und nicht hält oder sie vor vollendete Tatsachen stellt („Heute sind wir zum Abendessen bei dem Vater meiner Freundin“). Einige Äußerungen meiner Tochter konnte ich entnehmen, dass über mich gesprochen wurde und ich möchte nicht, dass sie in irgendwelche Loyalitätskonflikte kommt, was jetzt aber passiert ist.
    Sehr geholfen hat mir die Sichtweise einer Freundin, die sagte, dass sich ihre Eltern auch getrennt hätten als sie 8 Jahre alt war. Sie hat mir ihre Situation geschildert und dann gesagt: Deine Tochter ist intelligent. Sie sieht und spürt wie ihr Vater und wie Du mit ihr umgehen. Auch ob und wie über den anderen Elternteil geredet wird. Sie wird sich ihr eigenes Bild machen und sie wird entscheiden können, was ihr gut tut und was nicht. Frag Dich nicht „Warum macht er das?“ Oder „Was macht er mit ihr, wenn die beiden zusammen sind?“
    In diesem Artikel nun wieder zu lesen, dass die Frage nach dem „Warum?“ (Auch wenn es nicht konkret um die Vaterentbehrung, sondern um sein widersprüchliches Verhalten geht) zu gar nichts führt, außer einem erheblichen Kräfteverlust, ist sehr schön. Der Weg dahin, es so zu sehen, dass ich dem Kind den Schmerz (sei es bei Vaterentbehrung oder leeren Versprechungen oder Loyalitätskonflikten) nicht abnehmen kann, ist hart, aber gesund, denn ändern kannst Du es nicht. Er ist wie er ist. Du kannst Dein Kind davor nicht schützen (ich meine keine Gewalt!). Auch wenn Du es schützen willst, weil Du willst, dass das beschützt wird, was Du liebst.
    Mittlerweile glaube ich sogar, dass meine Tochter sehr viel lernen wird wie Menschen miteinander umgehen. Meine Devise ist deshalb: Ich mache alles was ich kann, damit es ihr bei mir gut geht. Und: Ich liebe sie einfach. Liebe ist das Beste, was Kindern passieren kann. Und die Scheidungskinder benötigen soviel davon!
    Ich wünsche Euch allen viel Kraft!

    1. Liebe Christina, vielen lieben Dank für deinen berührenden Kommentar. Deine Worte sind sehr wahr und richtig und die Liebe die wir geben können ist das was wir tun können. Ob der andere Elternteil nun da ist oder nicht.

      Ich wünsche Euch alles Liebe und Gute Alexandra Widmer

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